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Historikerkommission gegründet : Was wissen wir über die Ukraine?

„Noch sind der Ukraine Ruhm und Freiheit nicht gestorben“: Hunderttausende singen ihre Hymne am 17. Februar 2014 auf dem Majdan. Tage später endet die Revolution mit einem Blutbad. Bild: www.fotex.de

In den Debatten kann die ukrainische Geschichte folgenlos politisch instrumentalisiert werden, weil wir zu wenig wissen. Historiker, Ukrainer und Deutsche, wagen sich an eine Geschichtsschreibung ohne politische Verzerrung.

          In den aktuellen Debatten um oder auch dezidiert gegen die Ukraine offenbart sich immer wieder verblüffend umfassendes Nichtwissen über diesen Staat, seine Gesellschaft und seine komplizierte Geschichte, das bis zu stolz verteidigter Ignoranz reicht. Ignoranz, die sich vor wenigen Monaten erst bestürzend deutlich in dem Aufruf „Wieder Krieg in Europa? Nicht in unserem Namen“ offenbarte, der sich lieber auf den Wiener Kongress von 1814 - und die damalige Aufteilung Europas unter Großmächten - berief als auf die Staatenordnung nach dem Zusammenbruch des Sowjetimperiums. Dabei sollten gerade Deutsche Verständnis haben für eine „verspätete“ Nation, sich begeistern können für das zivilisatorisch-republikanische Projekt des Majdan, der größten gesellschaftlichen Massenbewegung nach der Epochenzäsur von 1989. „Die Ukraine ist Teil unserer großen russischen oder russisch-ukrainischen Welt“, sagte Wladimir Putin 2013. Eines von vielen Beispielen für die vorherrschende russozentrische bzw. sowjetische Perspektive auf dieses Land, die das Ende des Kalten Krieges auch in vielen deutschen Gelehrtenstuben überlebt hat und in politischen Talkshows zu ausgesprochen kremltreuen Darstellungen führen kann, unwidersprochen.

          Regina Mönch

          Freie Autorin im Feuilleton.

          Bis heute haben es die Ukrainer nicht erreicht, dass ihre Millionen von Kriegsopfern ein Teil der europäischen Gedenkkultur sind. Im Gegenteil, aus sowjetischen Kriegsopfern, durchaus gewärtig, wurden nach dem Zerfall der Sowjetunion umstandslos russische Kriegsopfer. Die Historiker Tanja Penter (Heidelberg) und Guido Hausmann (München) zitieren in einem Essay für die Zeitschrift „Osteuropa“ den CDU-Politiker Willy Wimmer, der im Juni 2014 in einer Rede die EU und die Vereinigten Staaten wegen ihrer Haltung zu Russland angriff. Es gebe „in Russland 25 Millionen Gründe, warum man sich mit einem Deutschen nicht mehr unterhalten können muss“, sagte Wimmer damals und unterschlug wie andere vor ihm und nach ihm die ukrainischen, weißrussischen, jüdischen, überhaupt alle nichtrussischen Opfer unter den 25 Millionen Toten. Stalin hat das ähnlich gesehen.

          Und auch Wimmer bezog sich in seinem Appell für gute „Nachbarschaft“ lieber auf die doch sehr vordemokratische Heilige Allianz und Metternich und Zar Aleksandr, nicht aber auf den Majdan. Nicht nur ihm, sondern sehr vielen Deutschen ist die Ukraine ein Dazwischenland geblieben, ohne eigene Kultur und Geschichte und ohne souveräne staatliche Rechte. Nur ihre Kollaboration mit den Nationalsozialisten scheint übermächtig bekannt, man möchte fast sagen stigmatisierend bekannt, ohne dass dabei Fakten überhaupt eine Rolle spielten. Gern wird übersehen, dass Russland die eigenen Kollaborationserfahrungen noch gar nicht aufgearbeitet hat, und es würde keinem einfallen, Russen damit so mühelos zu konfrontieren, wie es noch jedem ukrainischen Gastdozenten hierzulande widerfahren ist.

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