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Universitäre Lehre : Ich bin Student, holt mich hier ab!

  • -Aktualisiert am

Soll künftig der Vergangenheit angehören: Öde Massenvorlesungen in überfüllten Hörsälen, wie hier in Frankfurt, werden durch individualisierte Lernangebote überflüssig. Bild: Wresch, Jonas

Es nützt nichts, den Einsatz von Online-Kursen an Hochschulen zu verteufeln. Es kommt vielmehr darauf an, sie zur Individualisierung der Lehre zu nutzen. Sicher ist nur, dass sich im Lehrbetrieb einiges ändern wird.

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          An dieser Stelle schrieb der Berliner Amerikanist Frank Kelleter gerade über „Massive Open Online Courses“ (MOOCs), also Online-Unterricht an Universitäten. Dabei kommt er zu bemerkenswerten Erkenntnissen, die eine Menge mit den Strukturfehlern der deutschen Hochschullandschaft, aber wenig mit der Digitalisierung der Bildung zu tun haben. Über fast die Hälfte seines Beitrags arbeitet er sich als Bildungs-Achtundsechziger-Don-Quichotte an den (Fehl-)Entwicklungen der deutschen Hochschullandschaft der vergangenen Jahrzehnte ab, ohne dabei zum eigentlichen Thema durchzudringen - und wie häufig bei solchen Philippiken ist nicht alles falsch, aber eben auch nichts wirklich richtig.

          Als er endlich zu seinem Thema kommt, dem „Online-Angriff auf den Unterricht“, begeht er schließlich denselben Fehler, der landauf, landab durch Hochschuldeutschland geistert: Er benutzt MOOCs als Synonym für alles, was aus seiner Sicht derzeit die Bildungslandschaft umzukrempeln droht. MOOCs sind für ihn der Lord Voldemort, vor dem es die deutschen Hochschullehrer, die Studierenden und die Bildungsinstitutionen insgesamt zu schützen gilt. Natürlich kommt „das Böse“ aus den Vereinigten Staaten und ist, wie der Hinweis auf die Unterstützung des amerikanischen State Department für diese Form der Bildungsangebote unterstellt, Teil einer geheimen Kommandostrategie, durch Bildungsexport die Weltherrschaft zu übernehmen. So weit, so schlicht, die NSA lässt grüßen.

          Sollte man sich das wünschen?

          Kelleter sieht allerdings auch erste Anzeichen der Hoffnung: An einigen amerikanischen Hochschulen finden sich die ersten gallischen Dörfer, die sich auflehnen. So gab es an der San José State University in Kalifornien einen Aufstand der Geisteswissenschaftler gegen die Anrechnung eines MOOC des Harvard-Philosophen Michael Sandel als äquivalente Studienleistung. Auch haben erste MOOC-Dozenten in Form von Solidaritätsadressen mitgeteilt, ihre Online-Kurse seien eigentlich für bildungshungrige Studenten in Entwicklungsländern gedacht, nicht zum Ersetzen ihrer Kollegen an amerikanischen Community Colleges und staatlichen Universitäten.

          Nun könnte man ganze Abhandlungen darüber schreiben, worin sich die amerikanische Hochschullandschaft mit ihren derzeitigen Herausforderungen von unserer unterscheidet. Für uns aber scheint die Frage interessanter, was die Entwicklung der Online Education für Deutschland zu bedeuten hat, worauf wir uns einstellen müssen und ob wir uns das wünschen sollen. Dazu fünf Thesen:

          Online-Bildung hat große Zulunft

          These 1: MOOCs sind nur die publikumswirksame Spitze des Eisbergs, und womöglich ist ihre Zeit tatsächlich schon wieder vorbei. Ob die Firma Coursera, der Vorreiter bei diesen Kursangeboten, ein Geschäftsmodell hat, um die hohen Investitionen jemals zurückzuzahlen, geschweige denn Geld zu verdienen, ist offen. Sebastian Thrun, Stanford-Professor und Gründer der privaten Online-Akademie Udacity, lässt das in einem jüngst auf fastcompany.com erschienenen Interview ebenfalls durchblicken. Einen Universitätskurs mit festen Vorbereitungszeiten, Vorlesungen im Netz und Prüfungen am Ende anzubieten ist das eine. Dafür aber Verbindlichkeit herzustellen und Interaktivität so zu organisieren, dass sie als „Bildungserlebnis“ wahrgenommen wird, ist das andere, bisher nicht gelöste und auf Sicht vielleicht auch nicht lösbare Problem.

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