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Universitäre Lehre : Ich bin Student, holt mich hier ab!

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These 2: Nichtsdestotrotz haben onlinegestützte Bildungsangebote eine große Zukunft. Das fängt bei der Elektronifizierung von Karteikarten an und geht über das sogenannte „Serious Gaming“, also elektronische Bildungsspiele, bis hin zu Vorlesungen in Audio- oder Videoformaten, die mit grafischen Elementen ergänzt werden. Die Online-Angebote werden die Wissensvermittlung im Hörsaal verändern. Was früher dort stattfand, nämlich die Aufnahme von Information, wird in die Phase des Vor-dem-Computer-Lernens (oder iPad oder iPhone oder iSonstwas) verlegt.

Individualisierte Lehre

Was früher Wissen festigte, nämlich die Nachbereitung zu Hause, wird künftig an der Hochschule stattfinden, indem der vorher bereits gehörte, gesehene oder gelesene Stoff im akademischen Gespräch vertieft wird. Dies bringt nicht nur eine völlige Veränderung der Hörsaalsituation mit sich, es zeigt auch, dass die neuen Online-Formate vor allem zur Konkurrenz von Lehrbüchern und Skripten, sicherlich auch von langweiligen Massenvorlesungen, nicht aber des akademischen Gesprächs in kleinen Gruppen und „offline“, also im echten Leben werden.

These 3: Die eigentliche Revolution kommt durch die Individualisierung des Angebots, vorangetrieben durch die Entwicklung von Lernplattformen wie Knewton, Blackboard und anderen. In einigen Jahren werden Studienanfänger mit einem „Device“ in der Hand an die Universität kommen und sagen: „Hierauf ist mein bisheriger Lernverlauf gespeichert, anhand dessen Sie erkennen können, wie mein Lernprofil aussieht, wann und wie ich besonders gut lernen kann und in welchen Fächern ich Stärken und in welchen ich Schwächen habe. Bitte holen Sie mich hier ab.“ Wenn eine Universität dann als Antwort nur kennt, den Studenten mit vierhundert anderen in die Anfängervorlesung zu schicken, bei der ein Professor ihnen all das erzählt, was sie ohnehin an anderer Stelle besser aufbereitet und stärker individualisiert erwerben können, dann hat sie zu Recht ein Legitimationsproblem.

Da kommt noch mehr

These 4: Die größte Herausforderung der Online Education stellt sich deshalb für die Didaktik: Das alte Modell, in dem das „Absenden vermeintlich proprietären Wissens“ der typische Betriebsmodus eines lehrenden Professors war, erodiert. Die ständige Verfügbarkeit aller Informationen auf allen Geräten reißt die alten Barrieren des Herrschaftswissens nieder. Gefragt sein werden Erklärer, Moderatoren, Motivatoren und Tutoren, die künftigen Studenten Zusammenhänge, Sinn und Vernetzungen vermitteln können.

These 5: Im Einsatz moderner Technologie liegt zugleich die größte Chance für akademische Lehrer: Vorbei ist es mit den überfüllten Hörsälen und der Anonymität der Masse. Auf individuellen Lernfortschritt zugeschnittene Angebote unterbreitet zu bekommen bleibt nicht mehr nur den Doktoranden und wissenschaftlichen Mitarbeitern an Lehrstühlen und den Teilnehmern vorgerückter Seminare vorbehalten, sondern bietet sich auch als Chance im grundständigen Studienbetrieb. Die Möglichkeit, zielgruppenadäquat zu unterrichten, wird zu einer wesentlich höheren Zufriedenheit von Lehrenden und Lernenden führen. MOOCs werden eines Tages rückblickend als Türöffner einer weit größeren Entwicklung wahrgenommen werden, die der Hochschulbildung völlig neue Impulse gegeben hat.

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