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Theologie : Islamische Lehre an Universitäten

Ömer Özsoy leitet seit dem vergangenen Jahr das neue „Institut für Studien der Kultur und Religion des Islam” an der Frankfurter Goethe-Universität Bild: Frank Röth / F.A.Z.

Der Wissenschaftsrat empfiehlt den Aufbau neuer Institute für Islamische Studien. Zwei Universitäten haben diesen Weg schon eingeschlagen. Zündstoff aber enthält der Vorschlag für die Beiräte.

          Islamische Theologie oder - wie es der Wissenschaftsrat in seinem jüngsten Gutachten empfiehlt - „Islamische Studien“ als bekenntnisgebundene Forschung und Lehre sind an deutschen Universitäten eine Rarität. Eigentlich gibt es bisher nur zwei staatliche Universitäten (von etwa achtzig), die sich vorwagten: Münster und Frankfurt. Warum das so ist, hat viel mit Trägheit, Ignoranz und der Diskursroutine zu tun, die sich immer wieder in der Frage erschöpfte, dass es keine einheitliche Glaubensgemeinschaft der Muslime gibt, die das verfassungsrechtlich verbriefte Recht der Mitsprache wahrnehmen könnte.

          Regina Mönch

          Feuilletonkorrespondentin in Berlin.

          Die klaren Empfehlungen des Wissenschaftsrates dazu (Deutsche Unis sollen Imame ausbilden) sind darum ein kühner Schritt nach vorn. Danach sollen an „zwei bis drei“ staatlichen Universitäten „institutionell starke Einheiten für Islamische Studien“ aufgebaut werden. Gemeint sind damit nicht nur die Voraussetzungen, um Imame und islamische Religionslehrer auszubilden, sondern auch die Theologie. Sie ist für das Studium der evangelischen und katholischen Religionslehrer ein selbstverständliches Fundament. Würde man sie den islamischen Religionslehrern vorenthalten, wie es bisher aus Mangel an Möglichkeiten vielerorts geschieht, provozierte man im Prinzip eine zweitklassige Ausbildung, die den akademischen Standards nicht entspricht. Neuen Zündstoff jedoch enthält der Vorschlag des Wissenschaftsrates, den umstrittenen „Koordinierungsrat der Muslime“ (KRM) als seiner Ansicht nach besten Anwalt muslimischer Interessen in Deutschland den künftigen islamischen Forschungszentren für die Beiräte anzudienen.

          Auch radikale Vereine gehören dazu

          Einmal abgesehen davon, dass die darin versammelten Dachverbände nach Schätzungen der Islamkonferenz und empirischer Studien nur etwa fünfzehn Prozent der deutschen Muslime vertreten, gehören halt auch radikale bis islamistische Vereine dazu. Etwa der Islamrat, dessen größter Mitgliedsverband die radikale Milli Görüs ist; gegen einige ihrer führenden Funktionäre wird wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung, Geldwäsche und Erschleichung öffentlicher Fördermittel für islamistische Ziele ermittelt. Ebenfalls nicht einzuordnen sind nach dem Wissenschaftsrat-Gutachten einige private Institute, die Imame jetzt ausbilden. Man erwähnt nur, dass deren Finanzierung „nicht immer klar erkennbar“ sei.

          Im Falle des im Gutachten angeführten „Institut Européen des Sciences Humaines“ im französischen Chateau-Chinon, auf das die Milli Görüs ihre Stipendiaten gern schickt, hätte ein Blick auf die Website des Institutes genügt. Die Lehranstalt für den Scharia-Islam wird mit Geld aus den Golfstaaten und Saudi-Arabien unterstützt. Der wissenschaftliche Rat des Institutes wird von Yusuf al Quaradawi angeführt, einem führenden Kopf der Muslimbrüder, der Selbstmordattentate gutheißt und die Scharia über jedes säkulare Recht stellt. Gleichwohl wäre eine Imamausbildung an deutschen Universitäten eine begrüßenswerte Konkurrenz für diese klandestinen Lehranstalten, deren Absolventen hierzulande leider auch mit öffentlichen Subventionen unterstützt werden.

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