https://www.faz.net/-gqz-11yiy

Studieren in der Krise : Stanford und der schwarze Schwan

  • -Aktualisiert am

Auf dem historischen Campus der Stanford Universität Bild: Frank Röth

Das Stiftungskapital der University of Stanford sinkt dramatisch. Es wird Entlassungen geben. Die jungen Leute scheuen den Arbeitsmarkt und überwintern in weiterführenden Studiengängen: ein Ortstermin in Kalifornien.

          4 Min.

          Es ist Erdbebenwetter. Die Nachmittagssonne spiegelt sich in den Fenstern der Hightech-Firmen, die vorbeirasen: Microsoft, Hewlett-Packard, Dell. Wir verlassen den sechsspurigen Highway durch das Silicon Valley, lassen die blassblaue Bucht von San Francisco und die sanften, grünen Hügel von Santa Clara County hinter uns und biegen in die Allee ein, an deren Ende sich ein Bogengang abzeichnet: der Eingang zur Universität von Stanford. In der Luft liegt Stille. Es ist, als sei etwas Wesentliches aus der Atmosphäre abgesaugt worden und die Umwelt warte nun in sich gekehrt auf die Folgen. Erdbebenwetter ist ein Wetter, das jeder als solches wahrnimmt: keiner weiß, woher das Gefühl kommt, aber jeder erwartet eine Erschütterung.

          Wir betreten den Bogengang. Hinter einem schweren Eichenholztisch sitzt der Referent des Universitätspräsidenten. Vor ihm liegen die Informationen über die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise. In den nächsten Wochen werden die beschlossenen Etatkürzungen greifen: Zehn bis fünfzehn Prozent soll jede Abteilung der Universität einsparen. Im letzten Jahr lag das Stiftungskapital bei siebzehn Milliarden, für dieses Jahr wird ein Absturz auf dreizehn Milliarden erwartet. Das bedeutet, sagt er ruhig, dass es Entlassungen geben wird, dass viele ausgeschriebene Stellen nicht besetzt werden und einige der Serviceleistungen weniger großzügig ausfallen. Was folgt daraus? Nun, sagt der Referent, wahrscheinlich werden wir mehr Studenten haben, die, anstatt sich dem Arbeitsmarkt auszuliefern, in weiterführenden Studiengängen überwintern.

          Man ist beschützt hier

          Stanford sei der beste Ort dafür: man ist beschützt hier, nie muss man sich fragen, ob wohl der Professor noch zu seiner Vorlesung kommt oder seine Stelle gestrichen wurde, ob die Bibliothek nun weniger lange geöffnet habe oder ob das Footballteam aufgelöst würde. Warum sollte sich das jetzt ändern? Wir sind eine Institution von Weltrang geworden, weil uns Probleme reizen und uns zu neuen Ideen und Lösungen anspornen. Krisen, sagt er und wirkt fast müde, kennen wir hier. Als der Boom des Internets nur wenige Meilen vom Campus entfernt zerbarst, seien zwar die goldgräberischen Zeiten zu Ende gegangen, doch der Attraktivität der Universität habe das nicht geschadet. Auch wenn es jetzt Kürzungen gebe: Stanford ist nicht Detroit. Wir sind in ziemlich guter Form, sagt er, und seine Augen funkeln.

          Fühlt sich so eine Wirtschaftskrise an? In Stanford lebt man abgepolstert von der Außenwelt. Die Sicherheit, sich nur sich selbst widmen zu können und für eine Weile in einer inselförmigen Parallelwelt zu leben, begründet den Erfolg dieser Universität und ihrer Studenten. Was fühlen diese Studenten, wenn die Wirklichkeit der Wirtschaftskrise über sie schwappt?

          Jeder von ihnen muss Stanford irgendwann verlassen, sagt der Leiter des Berufsberatungszentrums und lächelt still. Die Anzahl von Firmen, die auf Berufsmessen um Studenten werben, sei um zwanzig Prozent gefallen und die Chancen, eine Anstellung zu finden, seien insbesondere für diejenigen, die sich auf den Finanzmarkt spezialisieren, auf einem Tiefpunkt. Ein Gutes habe das aber, fügt er hinzu. Bislang hätten sich die Studenten der Wirtschaftswissenschaften oft wie Lemminge verhalten und seien kopflos einem von Eltern oder Freunden vorgestrickten Muster der Karriereplanung gefolgt. Einige Studenten müssten jetzt zum ersten Mal in ihrem Leben eigene Entscheidungen treffen.

          Weitere Themen

          Leia spielt Schlüsselrolle Video-Seite öffnen

          „Star Wars IX“ : Leia spielt Schlüsselrolle

          Ihre Rolle als Prinzessin Leia in Star Wars hat sie für ihre Fans unsterblich gemacht: Obwohl Schauspielerin Carrie Fisher seit drei Jahren verstorben ist, spielt sie in „Der Aufstieg Skywalkers“ dank moderner CGI-Technik mit.

          Topmeldungen

          Weltklimakonferenz : Das Gerangel um die Emissionsrechte

          Klimaschutz braucht klare, gemeinsame Regeln. Sie zu finden fällt Deutschland, Amerika und den anderen Teilnehmern der UN-Klimakonferenz schwer – vor allem, wenn es um viel Geld geht.
          In eine neue Zukunft? Das neue SPD-Führungsduo Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans

          Neue SPD-Spitze : Zwei Neulinge, viele Helfer

          Die SPD hat eine koalitionskritische Hinterbänklerin und einen Polit-Pensionär an die Spitze gewählt. Aber der Rest der Führung besteht aus Parteiprofis, die überwiegend regieren wollen. Wer sind sie? Eine Analyse.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.