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Spitzenforscher ans Rote Meer : Wie Saudi-Arabien den Unfug des Hochschulrankings nachweist

  • -Aktualisiert am

Luftbild des Hauptcampus’ der Abdullah University of Science and Technology (KAUST) am Roten Meer, im Bauzustand 2009 Bild: picture-alliance/ dpa

Saudische Universitäten werben mit viel Geld häufig zitierte, ausländische Forscher an, um die „weltweite Sichtbarkeit“ in den Hochschul-Rangtabellen schnell zu erhöhen. Auch dreizehn deutsche Forscher sind dabei.

          Vergangenen Dezember erschien im Wissenschaftsjournal „Science“ unter dem Titel „Saudi Universities Offer Cash in Exchange for Academic Prestige“ (9. Dezember, Band 334, 6061, DOI: 10.1126/science.334.6061.1344) ein Bericht über die Bemühungen saudi-arabischer Universitäten ihre akademische Bekanntheit zu vergrößern. Der Autor Yudhijit Bhattacharjee äußerte darin den Vorwurf, vor allem zwei Universitäten, in dem Königreich - die King Abdulaziz University (KAU) in Dschidda und die King Saud University (KSU) in Riad - hätten in den letzten Jahren erhebliche finanzielle Mittel eingesetzt, um renommierte westliche Forscher als Gastprofessoren nach Saudi-Arabien zu locken. Im Vordergrund stünden dabei, so die Stoßrichtung des Artikels, nicht ernsthafte, nachhaltige Investitionen, um eine konkurrenzfähige Forschung aufzubauen. Viel mehr gehe es den saudischen Wissenschaftsmanagern darum die „Sichtbarkeit in wissenschaftlichen Zeitschriften“ durch die großen Namen zu erhöhen und über die mit den Gastprofessuren steigende Anzahl an Zitierungen den Rang in internationalen Hochschulrankings zu verbessern.

          Die Zahlen, die in dem Artikel genannt werden, scheinen diesen Verdacht zu stützen: Noch im Jahr 2008 gab es unter den Top 500 des Shanghai-Rankings der Universitäten der Welt keine Saudi Arabische Institution. Im Ranking von September 2011 schaffte es die KSU bereits unter die besten dreihundert Hochschulen. Der Vorwurf, den Yudhijit Bhattacharjee in seinem Artikel erhebt: Diese Verbesserung gehe nicht auf eine gestiegene Forschungsleistung der Saudis zurück, sondern stelle lediglich eine Verzerrung der Rankings dar, ausgelöst durch die Anwerbung erfolgreicher und daher häufig zitierter Forscher aus dem Ausland.

          „Wissenschaftliche Entwicklungshilfe“

          Laut dem „Science“-Bericht war im vergangenen Jahr vor allem die KAU fleißig im Anwerben ausländischer Forscher. Besonders gefragt bei den Saudis scheinen solche Forscher zu sein, die Teil einer Liste des amerikanischen Medienkonzerns Thomson Reuters sind. Dieser führt auf der Website highlycited.com häufig zitierte Wissenschaftler auf.

          Die Website theaustralian.com der größten bundesweiten australischen Tageszeitung veröffentlichte am 21. März 2012 eine Liste von sechzig häufig zitierten Forschern, die innerhalb des letzten Jahres zu „distinguished scientists“ an der KAU ernannt wurden. Einigen dieser Forscher seien nach Angaben von Science „aus heiterem Himmel“ E-Mails der KAU zugegangen, denen bereits ein hochdotierter Vertrag für wenige Wochen jährlichen Aufenthalts an der saudischen Uni angehängt war. Was der Vertrag unter anderem forderte, war die Ergänzung des jeweiligen Eintrags in der Liste häufig zitierter Forscher um die KAU als Zweituniversität.

          Dreizehn dieser sechzig kürzlich angeworbenen Forscher sind Deutsche. Sieben der deutschen Wissenschaftler waren zu einer Stellungnahme gegenüber der F.A.Z. bereit. Sie begründen ihre Motivation vor allem mit zwei Argumenten: „Wissenschaftliche Entwicklungshilfe“ solle man, wo immer sie noch nötig ist, leisten. Außerdem bestehe durch die Kooperation die Möglichkeit, Geld für interessante Forschung zu bekommen. Zumal es im Wissenschaftsbetrieb gang und gäbe sei, im „weltweiten Wettbewerb um die besten Köpfe“ finanzielle Mittel in die Waagschale zu werfen.

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