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Shirley Tilghman im Gespräch : Wer nur forschen will, sollte gehen

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Shirley Tilghman vor einer Pressekonferenz in Princeton Bild: dpa

Shirley Tilghman ist die erste Frau an der Spitze der renommierten Princeton University. Jetzt geht ihre zwölfjährige Amtszeit zu Ende. Ein Gespräch über die Frage, was eine Universität erfolgreich macht.

          Frau Tilghman, vor Ihnen hat noch keine Frau und auch kein Naturwissenschaftler die Princeton-Universität geleitet. Zudem sind Sie Feministin und stehen politisch eher links, wie ein Teil der Studentenschaft nach Ihrer Wahl 2001 schockiert feststellte. Haben Sie während der letzten zwölf Jahre in Princeton irgendetwas gelassen, wie es vorher war?

          Shirley Tilghman (lacht): Nun, ich habe sicher gegen viele Regeln verstoßen - oder zumindest mit vielen Traditionen gebrochen. Aber dies ist ein sehr komplizierter Ort. Wer eine solche Universität leiten will, muss die Balance zwischen Tradition und Fortschritt finden; das ist vielleicht die größte Herausforderung. Princeton hat viele Traditionen, und es liebt sie. Sie tragen auch viel zu unserer Stärke bei. Aber wenn wir zulassen, dass uns die Traditionen im Weg stehen, sind wir in zehn Jahren bedeutungslos. Der erste Punkt auf meiner Tagesordnung jedoch war ohnehin nicht mein eigener: Kurz zuvor hatte der Stiftungsrat der Universität entschieden, dass Princeton künftig elf Prozent mehr Bachelor-Studenten zulassen sollte. Wir mussten ein neues Studentenwohnheim bauen. Damit war ich in den ersten Jahren hauptsächlich beschäftigt. Und das war gar nicht schlecht, denn es hat mir Zeit zum Lernen gegeben.

          Was wurden Ihre wichtigsten Anliegen?

          Princetons internationales Renommee hängt ganz wesentlich von seinen Naturwissenschaften ab. Fragt man sich, welche Naturwissenschaften das 21. Jahrhundert prägen werden, dann wird eine Antwort ganz sicher Neurowissenschaft heißen. Und es war mir leider nicht gelungen, meinen Vorgänger davon zu überzeugen, ein solches Institut einzurichten. Das schien schon deshalb nicht naheliegend, weil wir keine Universitätsklinik haben. Aber seit 2006 haben wir unser eigenes neurowissenschaftliches Institut.

          Ein Projekt, das wohl die meisten hier mit meiner Person verbinden, ist das Lewis Center for the Arts, Princetons Kunstforum. Ich hatte anfangs keine Ahnung, dass dieses Thema wichtig werden könnte. Das ist aus einer Bewegung von unten entstanden; der Ruf wurde laut nach besseren Möglichkeiten für Studenten und Lehrende, die Kunst nicht nur zu studieren, sondern sich auch selbst künstlerisch zu betätigen. Es gab hier eine Menge Leute, die Kunst studiert haben, aber nur wenige aktive Künstler.

          Sie haben dafür der Stadt Princeton sogar abverlangt, einen Bahnhof zu verlegen, für neue Gebäude. Wozu braucht eine Forschungsuniversität Kunst?

          Ich glaube, das beginnt mit unserem Bekenntnis zu den „Liberal Arts“, zu einem geisteswissenschaftlich orientierten Grundstudium. Die Künste sind integraler Bestandteil dieser „Liberal Arts“. Das ist der erste Grund. Der zweite ist das intellektuelle Niveau jener Studenten, die mit eigenen künstlerischen Ambitionen nach Princeton kommen - es ist sehr, sehr hoch. Das sind genau die Studenten, die ich auf dem Campus haben möchte. Wenn wir ihnen aber nicht die Gelegenheit bieten, ihre Interessen zu entfalten, gehen sie woandershin. Der dritte Grund: In den Naturwissenschaften wirken Theorie und Experiment im Idealfall nahtlos zusammen. Was die Theoretiker herausfinden, regt die experimentierenden Forscher an, und umgekehrt ist es genauso. Ich bin davon überzeugt, dass das auch in den Geisteswissenschaften funktioniert. Wer Kunstwerke erforscht, sollte mit Menschen zusammenarbeiten, die diese Kunstwerke erschaffen.

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