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Selbsttäuschung der Universitäten : Das leere Versprechen der Kompetenzenprüfung

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Er hat das Wort „Kompetenzkompetenz“ im Deutschen bekannt gemacht: Eintrag aus dem Studienbuch des ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber
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          In den deutschen Hochschulen werden angeblich millionenfach Prüfungen durchgeführt, in denen neben dem Fachwissen auch der Erwerb von Sozialkompetenzen und personalen Kompetenzen bescheinigt wird. Um welche Prüfungen handelt es sich dabei, und wie hoch ist ihre Aussagekraft? Werden nur Wünsche formuliert oder nachvollziehbare Ergebnisse? Da der Erwerb von Kompetenzen im Mittelpunkt aller aktuellen Bachelor- und Masterstudiengänge steht, lohnt es, hier nachzufragen.

          Allein die Größenordnung macht schwindelig. Am Ende jeder Lehrveranstaltung wird jedem Studierenden mittels einer Prüfung bescheinigt, er habe in dem Modul neben dem Fachwissen auch die überfachlichen Kompetenzen erworben, also die Sozialkompetenz, die Methoden-und die personale Kompetenz. Diese Feststellung ist zwingend vorzunehmen. Bei einem sechssemestrigen Studiengang mit dreißig Modulen hat ein Studierender mithin regelmäßig, aber auch mindestens, dreißig Kompetenzprüfungen zu absolvieren, pro Semester also fünf Prüfungen. Derzeit sind sechzig Prozent aller Studierenden an deutschen Hochschulen in einem neuen Studiengang eingeschrieben, es werden also am Ende des Semesters 1,3 Millionen Mal Kompetenzen geprüft und festgestellt.

          Dieser rechnerische Befund ist eindeutig, wird aber von der Mehrheit der Hochschullehrenden achselzuckend, meist aber gar nicht zur Kenntnis genommen. Millionenfach werden die Sozialkompetenzen und die personalen Kompetenzen geprüft? Das glaubt keiner. Mit Recht. In den überwiegenden Fällen finden die Prüfungen nicht oder in irreführender Verpackung statt. Der Widerspruch kann mittlerweile gänzlich ungeschützt vorgetragen werden, so etwa geschehen auf der Tagung „Studium 2020“ im Januar 2012 in Berlin, unter Beteiligung und mit Förderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) sowie des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft. Mit Fug und Recht kann man an dieser Stelle von einem grandiosen Selbstbetrug im „Kompetenzzentrum“ Hochschule sprechen. Wem dieses Urteil zu scharf erscheint, der möge sich die tatsächliche Entwicklung anschauen und diese mit den gesetzlichen Vorgaben vergleichen.

          Kompetenz-Anspruch und Kompetenz-Wirklichkeit

          Warum sind überfachliche Kompetenzen zu prüfen? In dem geltenden Studiensystem Bachelor und Master steht die Orientierung an Lernergebnissen im Mittelpunkt. Anstelle einer Abschlussprüfung, wie im herkömmlichen Diplom, ist der Lernerfolg in Modulen nachzuweisen. In jedem Modul müssen die zu erwerbenden Kompetenzen beschrieben werden. Mit dem erfolgreichen Abschluss des Moduls wird jedem Absolventen bescheinigt, er habe die beschriebenen Kompetenzen auch erworben.

          Diese Vorgaben sind zwingend. Sie beruhen auf Beschlüssen der Kultusministerkonferenz (KMK) seit dem Jahre 2000, sie sind in allen Bundesländern in verbindliches Recht umgesetzt worden. Letztlich werden die Anforderungen aus der Bologna-Erklärung von 1999 hergeleitet, derzufolge der studentische Absolvent eine für den europäischen Arbeitsmarkt relevante Qualifikationsebene, die „employability“, erreichen soll, das heißt, der Studierende wird in die Lage versetzt, später im Beruf kompetent handeln zu können.

          Über die herausragende Bedeutung dieses Strukturelements im Bologna-Prozess sind sich alle Bildungsverantwortlichen einig. Umso erstaunlicher ist es, dass keiner der Verantwortlichen aus dem Kreise der KMK, der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) oder des Wissenschaftsrats, ganz zu schweigen von den geschäftsführenden Akkreditierungsagenturen, darlegen kann, w i e diese Kompetenzen erworben und nachgewiesen, hier also: praktikabel geprüft werden.

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