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Richtungsstreit in Frankfurter Rechtswissenschaften : Institute for Theorieschwund

Kristallisationspunkt im Richtungsstreit der Frankfurter Zivilrechtler: das House of Finance auf dem Campus der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Bild: Setzer, Claus

Wie nah dürfen sich Wissenschaft und Wirtschaft kommen? In den Frankfurter Rechtswissenschaften schwelt ein Richtungsstreit über die Folgen der Ökonomisierung. Geht er auf Kosten der Theorie?

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          Die Universität Frankfurt hat von ihren Fachbereichen unlängst eine Liste von Drittmittelaktivitäten und sponsorenrelevanten Forschungsleistungen abgefragt, nach der sich die spätere Mittelzuweisung richten soll. Wer einen Beleg für die Hegemonie der Sekundärtugenden sucht, die aus dem straffen Ökonomisierungskurs der Universität hervorgeht, kann ihn hier mit Händen greifen.

          Thomas Thiel
          Redakteur im Feuilleton.

          Der Übergang zur Stiftungsuniversität vor vier Jahren war in Frankfurt von kritischen Stimmen begleitet, die vor dem Einfluss der Stifter auf die Forschung und dem Aufstieg des alerten Drittmittelprofessors warnten. Das im selben Jahr gegründete House of Finance, ein in seiner Form einzigartiger Zusammenschluss von Ökonomen und Juristen aus den Bereichen Finanz, Geld und Währung, wird seit seinem Bestehen den Ruf nicht los, der steinerne Inbegriff der Ökonomisierung zu sein.

          Die Banken als Stifter

          Noch im Jahr seiner Gründung von Studenten kurzfristig besetzt gehalten, hat das Gebäude seinen Kritikern einige Argumente an die Hand geliefert. Man stieß sich an Überwachungskameras, verschlossenen Korridoren, schwer zugänglichen Bibliotheken. Im Foyer läuft die Blickachse zentral auf ein Podest mit dem Logo der Deutschen Bank zu. Die Hörsäle tragen Bankennamen: Commerz-, Deka-, Deutsche Bank.

          Der Student wird hier als Berufstätiger angesprochen, wenn er es nicht schon ist. Im Studiengang „Master of Finance and Accounting“ blieb der erste Jahrgang den Mitarbeitern des Wirtschaftsprüfers KPMG reserviert. Der Kontakt zwischen Wirtschaft und Wissenschaft ist eng. Mit fast fünfzig Prozent kann das Haus eine sehr hohe Drittmittelquote vorweisen. Neun der dreißig Professuren sind Stiftungslehrstühle, nahezu alle von Banken gestiftet.

          Abkehr vom studentischen Milieu: Blick ins Foyer des House of Finance
          Abkehr vom studentischen Milieu: Blick ins Foyer des House of Finance : Bild: Setzer, Claus

          Mit dem Ziel angetreten, den Finanzplatz Frankfurt zu stärken, hat das Haus renommierte Forscher nach Frankfurt ziehen können, die in wichtigen europäischen und deutschen Kontrollgremien sitzen, Finanz- und Wirtschaftsministerium beratend zur Seite stehen. Wer sich durch die Liste von über hundert Förderern liest, unter denen neben Unternehmensberatungen und Großkanzleien so gut wie alle Großbanken firmieren, kann sich des Gefühls einer gefährlichen Nähe nicht erwehren. Die Universität verweist auf ihren Stiftungskodex, der eine direkte Zuweisung der Gelder und eine Einmischung in die Forschung verhindere. Dem oft geäußerten Verdacht, diese Strukturen würden sich auf den Charakter der Forschung niederschlagen, fehlt der Beleg.

          Verletzung der Distanzpflicht?

          Der Bremer Rechtswissenschaftler Andreas Fischer-Lescano, als Initiator Guttenberg-Affäre bekannt geworden, hat diesen Vorwurf in den „Blättern für deutsche und internationale Politik“ („Guttenberg oder der ,Sieg der Wissenschaft’? Analysen und Alternativen, 2/2012, S. 53-62) in einer heftigen Polemik ausgesprochen. Dem House of Finance wirft er vor, den Pakt mit der Macht geschlossen und die wissenschaftliche Distanz fallengelassen zu haben. Die Lehre sei eine Kadettenausbildung für den Finanzmarkt, Endprodukt sei ein selbstzufriedener Typus, bei dem Jobaussicht vor Erkenntnisinteresse steht. Am Institute for Law and Finance, dem rechtswissenschaftlichen Ableger des House of Finance, sei der Verzicht auf Reflexion der gesellschaftlichen Dimension des Rechts Programm.

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