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Präimplantationsdiagnostik : Wider den PID-Alarmismus

Injektion einer menschlichen Eizelle im Labor Bild: dpa

Das Szenario einer frevelhaften Optimierung des Menschen durch Technologie ist ein Phantasma, durch keine Empirie gedeckt. Befruchtete Eizellen sind noch keine Individuen.

          5 Min.

          Der Bundestag entscheidet am 6. Juli über die Präimplantationsdiagnostik (PID). Umstritten ist, ob Paare, die eine schwere Erbkrankheit ihres Kindes befürchten müssen, an Embryonen prüfen lassen dürfen, ob auf diese ein solcher Erbschaden übertragen wurde. Diese Prüfung erfolgt bei künstlicher Befruchtung vor der Einpflanzung in die Gebärmutter. Es geht also darum, ob solche Paare gegebenenfalls das Recht haben, frühe Embryonen auch nicht einpflanzen zu lassen. Der einzige Grund, der dem entgegenstehen könnte, läge darin, dass eine solche befruchtete Eizelle bereits ein Mensch im Sinne des Grundgesetzes wäre.

          Man muss an diesen einzigen Grund erinnern, weil inzwischen so viele scheinbare vorgetragen worden sind. Das geschieht etwa durch all diejenigen, die den Begriff des „Dammbruches“ im Munde führen. Sie erkennen an, dass die Erkrankungen, die vorliegen müssen, wenn in anderen Ländern PID zugelassen wird – beispielsweise akute spinale Muskelatrophie, Mukoviszidose, Addison-Schilder-Syndrom –, Familien grausam belasten können; nicht zuletzt dann, wenn schon eine Reihe Fehlgeburten oder legaler Abtreibungen vorherging oder ein Kind mit entsprechender Krankheit zur Welt kam und auf den vorzeitigen, qualvollen Tod sicher zuläuft.

          Manchen genügen ein paar Aufsätze

          Doch das hält sie nicht von jenem Kulturpessimismus ab, den sie „Technikfolgenabschätzung“ nennen. Man tut so, als sei hier individueller Nutzen gegen kollektive Gefahren abzuwägen. Die Anwendung der PID, heißt es, lasse sich nicht begrenzen. Denn der medizinische Fortschritt sowie eine gesellschaftliche Neigung zur Optimierung von Menschen würden über kurz oder lang für eine Ausweitung sorgen.

          Dann, wird spekuliert, werde von der Darmpolypenkrankheit über den Bluthochdruck bis zum Geschlecht des späteren Kindes aus allen möglichen „Belastungen“ die Lizenz zur Selektion von Embryonen gezogen. Manchen genügen ein paar medizinische Aufsätze sowie die von zwei englischen Professoren propagierte „vorgeburtliche Verbesserung“, um kommende Inhumanitäten zu ahnen.

          Es gibt keinen empirischen Hinweis auf einen Dammbruch

          In Großbritannien selbst liegt seit Zulassung der PID 1992 die Zahl der jährlichen Fälle bei 214, also 3,6 auf eine Million Einwohner. Kein von den staatlichen Kommissionen zugelassener Fall hat dort Präzedenzwirkung für andere, es wird individuell entschieden. Selbst im regulierungsarmen Belgien bleibt es bei 350 Vorgängen im Jahr, wovon man mindestens hundert deutsche Paare abziehen muss, die sich des anderen Rechtssystems bedienen. Zum Vergleich: Im Jahr 2009 gab es hierzulande mehr als 110.000 Schwangerschaftsabbrüche.

          Die PID ist aufwendig, unsicher und erfolgt unter hohem Leidensdruck der Betroffenen. Die Suggestion, es drohe genetisches Shopping, zielt auf Reflexe, empirisch ist sie haltlos, den Ärzten und den Paaren gegenüber eine Unverschämtheit. Es gibt keinen Hinweis auf einen Dammbruch.

          Verhallende Unkenrufe

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