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Plagiatoren in Spanien : War die Guttenberg-Affäre denn zu gar nichts gut?

Karnevalsmasken im spanischen Ourense Bild: AFP

Naturwissenschaftler der Universität Vigo in Nordwestspanien haben sich kräftig aus fremden Publikationen bedient. Obwohl die Sache längst aufflog, wird die Aufklärung verschleppt: Streifzug durch ein korruptes System.

          Als die Guttenberg-Plagiatsaffäre mit dem Rücktritt des Verteidigungsministers ihren kathartischen Höhepunkt gefunden hatte, waren in spanischen Medien aufschlussreiche Kommentare zu hören. Es machte großen Eindruck, wie konsequent die akademischen Institutionen in Deutschland die Qualitätskriterien für wissenschaftliche Forschung verteidigt hatten. Ein Sonderlob ging an Karl-Theodor zu Guttenberg, der nicht einmal als beliebtester Politiker des Landes über dem Gesetz stehe und durch seinen Rücktritt zugegeben habe, Fehler gemacht zu haben. Dieses Kompliment, das gewiss keine Nähe zum tatsächlichen Hergang verrät, hat zwei spanische Subtexte. Zum einen, dass eine plagiierte Doktorarbeit ein Kavaliersdelikt sei. Und zum anderen, dass solche Affären in Spanien völlig anders verlaufen würden. Oder um es mit einem gern benutzten Sprichwort zu sagen: „Aquí no dimite ni Dios.“ (Hier tritt nicht einmal Gott zurück.)

          Paul Ingendaay

          Europa-Korrespondent des Feuilletons in Berlin.

          Letzten Monat verschaffte uns ein Hochschullehrer - nennen wir ihn Juan Hernández - Informationen über ein Wissenschaftsplagiat am Lehrstuhl für physikalische Chemie der Universität Vigo in der nordwestspanischen Region Galicien. Jeweils sechs Autoren, darunter ein ehemaliger Vizerektor und ein ehemaliger Dekan, hatten in zwei Fachaufsätzen die Publikationen chinesischer Forscher von der Universität Hunan teils wörtlich übernommen. Die Doppelung war bei der amerikanischen Fachzeitschrift zwar aufgeflogen, worauf die Artikel gesperrt wurden. Doch die Universität, so der Dozent, ziehe keine Konsequenzen daraus, und die Täter befänden sich weiterhin in Amt und Würden.

          Juan Hernández bat um strikte Anonymität. Er spreche nicht nur für sich selbst, sondern für eine Gruppe von Wissenschaftlern, die den Vorgängen ohnmächtig zusehe, weil die institutionelle Macht in den Händen der Plagiatoren und ihrer Freunde liege. Damit begann ein Austausch, der in fünf Wochen mehr als hundertfünfzig E-Mails, lange Telefonate und seitens Juan Hernández rund achtzig Seiten Kommentar hervorgebracht hat. In dieser Zeit erreichten uns rund fünfzig PDF-Dateien mit Aufsätzen, Zeitungsausschnitten und sonstigen Belegen. Wir sollten wissen, so Hernández, in welchem Ambiente sich die Dinge zutrügen: An der Universität Vigo spielten sich geradezu surreale Szenen ab, und dass sich niemand darüber aufrege, zeige nur, wie verkommen der Wissenschaftsbetrieb sei.

          Täuschung? Hochgradige Schlamperei?

          Die Aussagen von Hernández und anderen Forschern, die er als Zeugen beibrachte, halten jeder faktischen Prüfung stand. Beleg Nummer eins findet sich auf der Internetseite des amerikanischen „Journal of Chemical & Engineering Data“ (Jahrgang 2010, Nummer 55, Seiten 5340 bis 5346 sowie 5388 bis 5393), wo die beiden Aufsätze der spanischen Wissenschaftler jeweils mit der rot gesetzten Warnung versehen sind, sie seien am 11. Januar 2011 zurückgezogen worden. Begründung: „duplicate publication“. Genauer: „Bedeutende Teile“ der Arbeit seien „bereits von anderen Verfassern veröffentlicht worden“.

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