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Pick-Up-Artists : Geraubte Küsse auf dem Campus

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Als die „Fantifa“-Gruppe ihre Recherche zum Treiben eines lokalen Pick-up-Artists, der für Casanova Coaching arbeitet, unter Nennung dessen Namens in der Frankfurter Asta-Zeitung veröffentlichte, klagte der Betroffene gegen die Asta-Zeitung und auch gegen diese Zeitung, die über den Fall berichtet hatte. Das Landgericht Köln untersagte der F.A.Z zunächst, den Namen zu nennen, hat inzwischen aber die Entscheidung revidiert. Das Oberlandesgericht Frankfurt sprach eine einstweilige Verfügung gegen die Asta-Zeitung aus mit der Begründung, das Phänomen sei von allgemeiner sozialer Bedeutung - der geforderte Hochschulbezug fehle. Ein Urteil war zum Redaktionsschluss noch nicht gesprochen.

Die Ursache für den Aufstieg der Pick-up-Artists ist wohl in der vielbeschworenen Krise der Männlichkeit zu suchen. „Männer sind die wahren Verlierer unserer Zeit“, bekunden Pütz und Hoffmann in ihrem Verführungsratgeber. Diese Zeitdiagnose ist spätestens seit dem ersten Pisa-Bildungsbericht im Jahr 2000 und noch mehr seit der Finanzkrise populär. In „Der perfekte Eroberer“ lässt sich das bestens belegen: Männer seien zerrissen zwischen den Ansprüchen ambivalenter Männlichkeitsbilder („zärtlicher Liebhaber und Tier“), gebeutelt von der „Frauen-sind-die-besseren-Menschen-Propaganda“ in Medien und Politik, zugerichtet von den eigenen Partnerinnen, die „als kontrollierende Vodoopriesterinnen“ aus dem Wolf einen „Fifi“ oder einen Löwen im Zoo machten: „ein stolzes, kräftiges Tier, das den Bezug zu seiner Natur verloren hat, kraftlos in der Ecke sitzt und ins Leere guckt“. Und dann wollten „die feministisch beeinflussten Frauen“ mit dem „Monster“, das sie erschaffen haben, „noch nicht einmal vögeln“.

Feminismus unter Ideologieverdacht

Ein aggressiver Antifeminismus trifft hier auf archetypische Vorstellungen von „echter“ Männlichkeit, auf Paranoia und Verschwörungstheorie. Thesen von Männlichkeitsforschern wie Walter Hollstein oder Gerhard Amendt, der vor einigen Jahren mit der Forderung auf sich aufmerksam machte, Frauenhäuser als „Hort des Männerhasses“ zu schließen, werden zielgruppenbekömmlich aufbereitet; dezidiert antifeministische männerrechtliche Vereine wie „Agens“ und „Manndat“, in denen Ko-Autor Hoffmann selbst aktiv ist, lobend erwähnt.

Der Pick-up-Artist Pütz tritt als Sprachrohr einer Szene auf, die nicht müde wird, die Schuld am vermeintlichen Niedergang des Mannes in Bildung, Arbeit und Kultur exklusiv auf Frauen, dominante Mütter und die Frauenbewegung zu schieben. Der Sozialpsychologe Rolf Pohl spricht etwas umständlich von einer „projektiv erzeugten, von starken Affekten begleiteten Feindbilderkonstruktion“. Konstruktiver Austausch über Geschlechterkonflikte in sozialen Umbrüchen, Ungerechtigkeit im Sorgerecht oder Defizite im Bildungssystem werde durch die Abrechnungskampagne mit dem Feminismus verstellt.

„Feminismus ist zur totalitären Ideologie geworden“, sagt Arne Hoffmann in einem Interview mit der rechtsorientierten „Jungen Freiheit“. Insbesondere die Medien sieht er von Frauen beherrscht. Von den rechtsradikalen Thesen des norwegischen Attentäters Anders Breivik, der von einer „Feminisierung der Kultur“ gesprochen hatte, distanziert sich Hoffmann dezidiert, genauso wie von Teilen der Männerrechtsbewegung, die sich aus seiner Sicht zunehmend rechtslastig präsentiere.

Polemische Umdeutungen, Verkehrungen und Verkürzungen kursieren aber in vielen Teilen der antifeministischen Männerrechtsewegung. Mit Verweis auf das wahrlich männerfeindliche „Scum“-Manifest der radikalen Feministin Valerie Solanas aus dem Jahr 1967 werden alle Feministinnen als Männerhasserinnen diffamiert. Die kritische Diskussion über diesen in der Frauenbewegung höchst umstrittenen Text wird ausgeblendet.

Die Kampfbegriffe der Männerrechtsbewegung wabern von den Internetforen auf die Straßen. Anfang Juli wurde ein Amateurvideo auf Youtube hochgeladen: Ein junger Mann kommentiert eine Solidaritätskundgebung in Berlin für das Model Gina-Lisa Lohfink, die zu dem Zeitpunkt einen Prozess wegen Vergewaltigung führte. Die Teilnehmer der Demonstration wollen sich von dem Mann nicht filmen lassen. „Hau ab!“, rufen sie ihm zu. „Feminazis, Feminazis“, ruft der Mann zurück, der in Frankfurt unter seinem Künstlernamen Marko Polo als Pick-up-Artist arbeitet.

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