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Pensionierte Professoren : Zum alten Eisen

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Kein Zugang mehr zum Arbeitsplatz: Der pensionierte Philologe Christian Wagenknecht wurde aus seinem Arbeitsraum geworfen, seine Festplatte einfach gelöscht Bild: Fotolia

Der ehemalige Ordinarius für Philologie Christian Wagenknecht war - abgesehen von einigen kritischen Äußerungen - auch nach der Pensionierung seiner Hochschule in Göttingen treu geblieben. Anders als umgekehrt: Die Universität sortierte ihn eines Tages kurzerhand aus - samt Büro und Computer.

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          Pensionierte und emeritierte Professoren haben keinen grundsätzlichen Anspruch auf Benutzungsrechte an Räumen, Geräten und sonstigen Arbeitsmitteln. Nach vorherrschender Übereinkunft sind Universitäten jedoch allgemein befugt, solche Rechte zu gewähren. Das geschieht in aller Regel auch, zumal wenn die Betreffenden „zum Wohle der Institution“ in Forschung und Lehre noch aktiv sind. Nicht mehr so in Göttingen, wie der ehemalige Ordinarius für Deutsche Philologie Christian Wagenknecht nun auf seiner Homepage dokumentiert. Der angesehene Gelehrte war seiner Hochschule lebenslang treu geblieben, hatte sich allerdings gelegentlich durch kritische Einlassungen unbeliebt gemacht. In seinen „glössen“ nimmt er zudem bis heute die Kunstfehler und Allotria seiner Zunft im Stil von Karl Kraus aufs Korn.

          Bis zum letzten Jahr hatte das Göttinger Institut für Germanistik acht Professoren und Dozenten im Ruhestand, darunter Wagenknecht, die Nutzung eines wenig attraktiven kleinen Raums (Nr. 331) nebst bescheidener Ausstattung gewährt. Im Juli 2009 forderte der Institutsdirektor Hartmut Bleumer den „ehemaligen Kollegen“ auf, den Raum „möglichst bis zum 31.8.“ zu räumen, da man angesichts des gewachsenen Instituts zur „Ausnutzung aller Raumresourcen“ gehalten sei. „Seien Sie sich unseres Respekts bitte sicher, der sich nicht an der Raumbelegung festmacht.“

          Kein Toner für Zuhause. Sorry.

          Auf Wagenknechts Nachfrage, ob denn diese Maßnahme angesichts von zahlreichen Räumen für Arbeitsstellen oder zur „Erasmus-Beratung“ sowie von anderen vergleichsweise dünn belegten Räumen sinnvoll sei, antwortete der Direktor schon weniger respektvoll mit Hinweis auf das „Gebäudemanagement“ und den Drittmittelzuschuss, der „Raumbedarf unabdingbar macht“. Noch barscher wurde Wagenknechts Anfrage abgefertigt, wie es denn nach der Vertreibung vom Altenteil mit Arbeitsmitteln bestellt sei. Im Oktober teilte ihm eine Marga Freckmann „nach Rücksprache mit dem Direktor“ per E-Mail mit, „dass es für Niemanden Toner für Zuhause gibt. Sorry.“

          So ökonomisch wurde nicht durchweg verfahren. Im November erfuhr Wagenknecht von einer Astrid Ludolph wiederum per E-Mail und mit herzlichen Grüßen, dass die Festplatte seines noch funktionstüchtigen Computers „fachmännisch gelöscht wurde (die Daten können nicht wiederhergestellt werden) und der Rechner komplett entsorgt wurde“.

          Kein „Dienstcomputer oder Ähnliches“

          Nachdem sich der akribische Philologe Wagenknecht unter Hinweis auf die Formulierung „möglichst bis zum 31.8.“ nach den Argumenten für die rigide Vorgehensweise erkundigt sowie die Herausgabe des Geräts erbeten hatte, wurde ihm mitgeteilt, da er ausgeschieden sei, habe er gar keinen „Dienstcomputer oder Ähnliches“. Daher gebe es auch keine Pflicht der weitergehenden Begründung.

          Außerdem wurde er gebeten, die Verteilung von Anschreiben selbst zu übernehmen: „da Sie nunmehr insistiert haben, müssen wir nämlich darauf hinweisen, dass es sich um Privatschreiben handelt“. Zum Schluss der Auseinandersetzung ließ es sich der Herr Direktor immerhin nicht nehmen, dem Privatier „für Ihre Arbeitsvorhaben im neuen Jahr alles Gute“ zu wünschen.

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