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Online-Kurse für alle : Die Globalisierung der Lehre

Für Arbeitgeber interessant

Auf der Ebene der einzelnen Nutzer allerdings sind die Daten hochsensibel, darauf hat Evgeny Morozov hingewiesen. Schließlich kann man aus ihnen nicht nur den Studienerfolg, sondern auch das individuelle Lernverhalten ableiten: Wie lange braucht ein bestimmter Teilnehmer für die Bearbeitung einer Aufgabe? Wie oft vertut und vertippt er sich dabei? Gehört er zur offenbar großen Gruppe der Teilnehmer, die in letzter Sekunde eifrig werden, arbeitet er vorzugsweise nachts um drei, oder nimmt er sich womöglich die Aufgaben gewissenhaft gleich vor, nachdem sie veröffentlicht worden sind? Wie wirkt er in der Interaktion der Teilnehmer untereinander, für die Coursera die Social-Media-Netzwerke Facebook, Twitter und Google+ nutzt? Hilft er anderen, macht er sich wichtig, oder bleibt er stumm? Welcher künftige Arbeitgeber wäre nicht versucht, aus Informationen wie diesen Annahmen über die Arbeitsleistung, die Teamfähigkeit und andere Kompetenzen potentieller Bewerber abzuleiten?

Es gibt eine Verschwiegenheitserklärung, nach der die registrierten Daten nur Coursera und der jeweiligen Hochschule zugänglich sind. Aber es gibt unter den Geschäftsmodellen, die der Start-up Coursera gerade prüft, auch die Idee, als Vermittler Arbeitgeber auf profilierte Absolventen hinzuweisen und deren Daten weiterzugeben – natürlich nur mit Einwilligung der Teilnehmer und ganz bestimmt nicht in der gerade beschriebenen Datentiefe.

Alternative Datentrennung

„Coursera ist ein Start-up, gerade einmal seit einem Jahr auf dem Markt“, sagt Hans Pongratz von der TUM, „sie testen ein, zwei Geschäftsmodelle und sagen, sie hätten noch zehn, fünfzehn andere im Kopf. Es ist zu früh zu sagen, dass ist gut oder böse, was die planen.“

Die MOOC-Plattform edX der Universität Harvard und des MIT in Boston, auf der Anfang März global siebenhunderttausend Teilnehmer eingeschrieben waren, zu denen im Monat hunderttausend hinzukommen, geht einen anderen Weg als Coursera: Zum einen wählt sie ihre Partner mit größerer Zurückhaltung aus, zum anderen gestatten die Entwickler der Software lokale Installationen von edX. Jede Universität kann so ihre eigene Plattform betreiben, mit allen Inhalten bleiben auch die Teilnehmerdaten bei der Hochschule, sie selbst kann festlegen, welche Daten abgefragt und registriert werden. Und wenn Studierende neben dem lokalen auch das globale edX-Angebot nutzen wollen, müssen sie sich hierfür einfach neu anmelden.

Für immer verfügbar?

Durch die deutlich freiere Verbindung universitärer Lerninhalte mit Studienabschlüssen verträgt sich das amerikanische System der Hochschulbildung auch insgesamt besser mit dem System von Coursera und Konkurrenzangeboten. Doch auch hier steht die Verknüpfung von Präsenz- und Online-Lehre noch ganz am Beginn. Anfang Februar hat der American Council on Education (ACE) die ersten vier Coursera-Kurse zertifiziert und damit zur Anerkennung als Studienleistung empfohlen. Den ACE-Empfehlungen folgen nach Auskunft von Coursera über zweitausend Universitäten und Colleges. Allerdings sehen die beiden Hochschulen Duke und University of California, die diese Kurse anbieten, bislang selbst nicht vor, sie den eigenen Studenten als Studienleistung anzuerkennen, wie das Wall Street Journal berichtete. In den letzten Jahren explodieren die Studienkosten in Amerika. Dass Online-Kurse die Studiendauer verkürzen und damit die Kosten senken könnten, macht sie aus Sicht der Studierenden zusätzlich attraktiv – und lässt die Universitäten mit der Freigabe zögern.

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