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Online-Kurse für alle : Die Globalisierung der Lehre

Die Fernuniversität ist schon weiter

Professor Helmut Hoyer, seit über fünfzehn Jahren als Rektor der Fernuniversität Hagen mit den Einsatzmöglichkeiten des Internets für das Fernstudium befasst, sieht MOOCs derzeit auch eher als begrenztes Weiterbildungsangebot: „Sie können in ein Universitätsstudium eingeflanscht werden“, sagt der Elektrotechniker im Gespräch mit der F.A.Z., „wenn wir uns über Regularien der Anerkennung und der Prüfung einig werden.“ Fürs Erste könne er sich zwar vorstellen, seinen Studierenden den MOOC einer Koryphäe zu empfehlen, wie er früher ein Lehrbuch empfohlen hätte. „Wenn man allerdings solche MOOCs als integrale Bestandteile der eigenen Lehre einsetzt und nur sagt, die Prüfungen erfolgen dann bei uns, wäre das ein Paradigmenwechsel.“

Hier sieht er die Fernuniversität dem leicht angegrauten Image zum Trotz vorn: „Alles, was Sie bei den MOOCs sehen“, erläutert Hoyer, „ist bei uns schon Teil des Systems, aber mit Durchlässigkeit zu Zertifikaten und akademischen Abschlüssen einer staatlichen Universität.“

Das Phänomen des letzten Drückers

Die beiden Kooperationspartner Courseras, die Ludwig-Maximilians- und die Technische Universität München, dürfen ihren Studierenden die Teilnahme an den eigenen Kursen auf der amerikanischen Plattform hingegen fürs Erste allenfalls empfehlen: „Wir dürfen die Studierenden aus Datenschutzgründen nicht dazu zwingen es einzusetzen, weil man sonst wirklich noch einmal gucken muss, welche Daten da wohin ausgewertet werden, wo gespeichert und wie lange gespeichert wird.“ Fest steht: Coursera registriert jeden Klick. Fest steht allerdings auch, dass sich jeder Teilnehmer dagegen entscheiden kann, seine eigenen Daten für die allgemeinen Auswertungen freizugeben. Wobei diese Daten einerseits grundsätzlich dazu dienen, die Online-Lehre zu erforschen.

Daphne Koller zeigte in ihrem Vortrag die Verlaufsgrafik eines Kurses mit seinen Einheiten, Aufgaben und den Nutzerzahlen. Die Zugriffsspitzen unmittelbar vor Ende der Abgabefristen zeigten, wie sie schmunzelnd bemerkte, dass das Verfahren, die einzelnen Aufgaben immer erst auf den letzten Drücker zu lösen, ein globales Phänomen sei. Andererseits kann die Datenauswertung auch auf der Ebene der einzelnen Kurse wichtige Rückschlüsse ermöglichen, etwa wenn es Häufungen bei den falschen Antworten gibt. „Wenn man einen Kurs mit Tausenden Leuten macht, hat man natürlich die Möglichkeit, das Konzept oder den Verlauf eines solchen Kurses zu überprüfen: Wo hakt es besonders, welche Erklärungen funktionieren und welche nicht, dafür gibt es eine unglaubliche Datenbasis“, sagt der Präsident der LMU, Bernd Huber. Und sein Dozent Tobias Kretschmer ergänzt: „Man kann darauf als Dozent reagieren: Wenn man merkt, eine Erklärung kam in der Vorlesung nicht so gut rüber, kann man ein zweiminütiges Video nachdrehen, um es noch einmal ganz klar zu machen.“

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