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Online-Kurse für alle : Die Globalisierung der Lehre

„Wir wollen mit dem neuen Medium experimentieren“, sagt der Informatiker Pongratz im Gespräch mit dieser Zeitung. „Wir schauen uns um. Wir sind mit verschiedenen Anbietern im Gespräch, vergleichen die Lizenzmodelle, die Geschäftsmodelle, die technischen Hintergründe, und jetzt versuchen wir es einmal mit Coursera.“ Dabei sei das amerikanische Unternehmen nicht der einzige Anbieter, mit dem die TUM kooperiert: „Wir planen in der EuroTech Universities Alliance zusammen mit der DTU in Kopenhagen, der TU Eindhoven und der EPFL in Lausanne ein Weiterbildungsprogramm auf ähnlicher Basis aufzuziehen, eigene MOOCs in einem eigenen Geschäftsmodell, kostenlos für alle, die nicht an eine Hochschule kommen können oder nur einmal reinschnuppern wollen, aber auch mit einer Stufe, das Wissen an der jeweiligen Hochschule zu vertiefen“, erläutert Pongratz. Außerdem sei die Hochschule auf Open Course World, einer Plattform für den deutschen Markt, an einem MOOC zu Business Process Management beteiligt.

Wer sitzt auf der anderen Seite?

Die Universität als Marke stärken und die eigenen akademischen Bildungsangebote weltweit vermarkten können, potentielle Studierende aus aller Welt ansprechen, früh mit neuen Technologien experimentieren und die eigenen Dozenten an sie heranführen: während die Initiatoren der beiden Münchner Universitäten eher allgemeine Interessen an der Partnerschaft mit Coursera haben, denken die Dozenten über die Wechselwirkungen der Lehre an der Universität und der im Netz nach. Von ihren Studierenden werden sie dabei noch überholt: „Ich habe jetzt schon die ersten E-Mails mit der Frage bekommen, wie viele ECTS-Punkte es für den Coursera-Kurs gibt“, erzählt Martin Kleinsteuber. Zunächst einmal keinen einzigen. Nicht einmal für die Angebote der Heimatuniversität und schon gar nicht für die anderer Hochschulen. Hier treten neben die allgemeine Frage, wie der Kurs einer fremden Universität den Studienleistungen an der Heimathochschule zugeschrieben werden kann, die auch beim Bologna-Prozess diskutiert wird, bei den MOOCs noch spezifische Probleme: Wie kann die Identität eines Teilnehmers im Internet überprüft werden? Wie kann man sicherstellen, dass er es ist, der auch die Aufgaben eines Kurses löst und die Prüfungen absolviert – und zwar ohne fremde Hilfe? Und wie kann man bei Online-Kursen, für die sich bis zu hundertfünfzigtausend Teilnehmer einschreiben, den Wissensstand prüfen?

Hier arbeitet Coursera an sogenannten Keystroke-Algorithmen, an der automatischen Analyse der Tastenanschläge, um herauszufinden, ob immer dieselbe Person die Tests bearbeitet. Während andere Anbieter die Teilnehmer ihre Prüfungen in Test-Centern absolvieren lassen, setzt Coursera Web-Cams ein. Und bei Aufgaben, deren Lösungen nicht maschinell ausgewertet werden können, weist der Start-up aus Stanford den Teilnehmern neben der eigenen eine Reihe weiterer anonymisierter Arbeiten zur Beurteilung zu: Beim Peer-grading gewinnen die Teilnehmer zugleich einen Eindruck vom Leistungsstand der anderen und von der möglichen Abweichung ihrer Einschätzung der eigenen Leistung zu der Bewertung durch die anderen. Das mag für den Betrieb eines offenen Kurses funktionieren. Für die Zuerkennung einer vollwertigen Studienleistung oder gar eines Abschlusses ist es zu wenig.

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