https://www.faz.net/-gqz-77kzu

Online-Kurse für alle : Die Globalisierung der Lehre

Das ist bei Coursera anders: „In manchem“, erläutert Daphne Koller, eine der beiden Gründerinnen, das Angebot im Juni 2012 in ihrem Vortrag „What we’re learning from online education“, der bei Youtube abrufbar ist, „gleicht das Erlebnis bei Coursera dem an jeder Universität: Die Kurse beginnen an einem bestimmten Tag, es gibt wöchentlich wechselnde Einheiten, Aufgaben und Abgabetermine für die Aufgaben.“ Bei den über dreihundert Kursen im Angebot gehören kleine Lernkontrollen zwischen den im Idealfall acht bis zwölf Minuten langen Lerneinheiten zum Standard. „Wenn ich in einer Vorlesung eine Frage stelle“, erzählt die Stanford-Dozentin, „sind 80 Prozent der Studenten noch damit beschäftigt, aufzuschreiben, was ich als Letztes gesagt habe, 15 Prozent sind gerade auf Facebook, fünf Prozent haben die Frage bemerkt, in der ersten Reihe platzt jemand mit der Antwort heraus, bevor die anderen darüber nachdenken konnten, und ich als Dozentin bin froh, dass es überhaupt eine Antwort gibt. Bei Coursera muss sich jeder einzelne Student damit beschäftigen.“

Es ist dieser jedem Dozenten wie jedem Studenten vertraute Spagat einer Massenvorlesung zwischen der Anforderung, möglichst große Studentenzahlen, dabei aber jeden einzelnen Studenten zu erreichen. Für Tobias Kretschmer, BWL-Dozent an der LMU, bietet sich damit noch ein weiterer Vorteil: „Wenn ich im Hörsaal die Vorlesung ,Grundlagen der BWL‘ halte, ist es fast egal, ob ich das vor fünfhundert oder fünftausend Zuhörern mache, interaktiv ist das nicht. Die Zahl ändert nichts daran. Wenn diese Vorlesung ins Netz wandert, kann ich hier vor Ort in der Zeit Seminare dazu anbieten. Es setzt eher noch Ressourcen frei, damit wir uns auf das konzentrieren können, was eine Präsenz-Uni ausmacht.“

Martin Kleinsteuber, der als Professor an der Technischen Universität in München unterrichtet und über Coursera den Kurs „Computer Vision“ anbietet, sieht das Netz ebenfalls als Entlastung: „Für mich ist das Auslagern kleiner Module ins Internet die Möglichkeit, den Frontalunterricht komplett aus den Klassenräumen herauszubekommen“, sagt er im Gespräch. „Ich kann sagen: Guckt euch zur Vorbereitung diese zwei Module an, und bei der nächsten Vorlesung können wir das dann diskutieren, verschiedene Verfahren gegenüberstellen, die ich vorgestellt habe, oder kleine Programmieraufgaben machen. Die klassische Vorlesung würde dadurch abgelöst von einer interaktiven Lehreinheit.“

Ein Experimentierfeld unter vielen

Schon jetzt sind fünfunddreißig Prozent der Lehrveranstaltungen der TUM E-learning-unterstützt, wie Hans Pongratz erläutert, als CIO der Hochschule zugleich einer ihrer Vize-Präsidenten. Dafür betreibt die Universität eine eigene „Moodle“-Plattform (das Akronym steht für Modular Object-Oriented Dynamic Learning Environment), auf der Vorlesungsvideos und Dokumente meist zeitlich befristet abrufbar sind – und auf die neben den 32.000 Studierenden der TUM weitere Tausende über die „Virtuelle Hochschule Bayern“ Zugriff haben.

Weitere Themen

Topmeldungen

Menschen in Lissabon im Juni

Lissabon wegen Corona gesperrt : Schlechte Erinnerungen an den Januar

Weil auch die letzte Corona-Welle in Lissabon ihren Anfang nahm, wird die Stadt am Wochenende größtenteils abgeriegelt. Nur noch mit triftigem Grund darf sie betreten oder verlassen werden.
Hier fließt der Strom: Eine Ladesäule in Rom

Auf langen Strecken laden : So gelingt der Urlaub mit E-Auto

Viele Fahrer von Elektroautos reisen in diesem Jahr erstmals mit ihrem Stromer in den Urlaub. Sie sollten sich gut vorbereiten, denn lange Fahrten mit einem E-Auto erfordern Planung und Geduld.
Soldaten der Roten Armee ergeben sich im Jahr 1941 während des Russlandfeldzugs.

Weltkriegs-Gedenken : „Erinnerung bleibt uns Deutschen eine Verpflichtung“

In Berlin erinnert Steinmeier an den deutschen Überfall auf die Sowjetunion vor 80 Jahren. Deutschland müsse sich die Verbrechen im Osten Europas ins Gedächtnis rufen, sagt er. Dabei zählt der Bundespräsident Orte auf, die für die „deutsche Barbarei“ stehen.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.