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Naturwissenschaft und Philosophie : Der gestirnte Himmel über uns

2,5 Millionen Lichtjahre entfernt, die Andromedagalaxie: Welche Indizien haben wir, um den Lebensweg eines solchen Gebildes nachzuzeichnen? Bild: www.fotex.de

Im Jenseits des Sonnensystems: Haben sich Astronomie und Philosophie etwas zu sagen? In letzter Zeit sind sanfte Annäherungsversuche zwischen den Disziplinen zu beobachten.

          Was waren das für Zeiten! Damals, als Einstein sein Denken in einem philosophischen Lesekreis schärfte, als Heisenberg sich beim Verständnis der Materie von den antiken Philosophen inspirieren ließ und dessen Schüler Carl Friedrich von Weizsäcker philosophierend den „Aufbau der Physik“ zu verstehen versuchte. Das Bestreben, die Welt physikalisch zu beschreiben, und der Anspruch, diese Unternehmung philosophisch kritisch zu reflektieren, zu interpretieren und zu hinterfragen erschienen als zwei Seiten ein und derselben Medaille. So hatte es einst Schopenhauer angemahnt: „Empirische Wissenschaften, rein ihrer selbst wegen und ohne philosophische Tendenz betrieben, gleichen einem Antlitz ohne Augen.“

          Sibylle Anderl

          Redakteurin im Feuilleton.

          Heute dagegen scheint ein anderer Geist durch die Institute und Labore der Wissenschaftler zu wehen. Der weltweit wohl bekannteste lebende, theoretische Physiker, Stephen Hawking, wird nicht müde, den Tod der Philosophie zu verkünden. Erst vor wenigen Wochen erklärte der Moderator der momentan erfolgreichsten amerikanischen Fernseh-Wissenschaftsreihe „Cosmos“, der bekannte Astrophysiker Neil deGrasse Tyson, die Beschäftigung mit tiefgründigen Fragen führe zu einer sinnlosen Verzögerung wissenschaftlichen Fortschritts. Philosophischen Denkern würde er entgegnen: „Ich gehe weiter und lasse dich zurück, und du kannst nicht mal die Straße überqueren, weil du durch die tiefgreifenden Fragen abgelenkt wirst, die du dir selbst stellst.“ Das ist das alte Motiv von Thales, der in den Brunnen stürzt, weil er in Gedanken und abseitige, nämlich auf den Himmel gerichtete Beobachtungen vertieft ist.

          „Keine Zeit für sowas“

          Was ist geschehen in den vergangenen hundert Jahren, das die Wissenschaft so sehr der Philosophie zu entfremden vermochte? Man kann spekulieren, ob die Frustration über die nach wie vor ungelösten Probleme im Verständnis der Quantentheorie eine Rolle gespielt hat. Ob es die Abwendung amerikanischer Wissenschaft von deutscher, humanistischer Tradition nach dem Zweiten Weltkrieg war. Oder ob die heutige Spezialisierung der wissenschaftlichen Teildisziplinen einer übergeordneten, einordnend-reflektierenden Perspektive schlicht zu stark entgegenwirkt.

          In jedem Fall scheint es unplausibel, den Grund darin zu sehen, dass sich die heutige Wissenschaft von philosophischen Problemen emanzipiert haben könnte. Die Interpretation und Klärung grundlegender Begriffe, die Reflexion unserer Erkenntnismethoden und -grenzen, aber auch das Verständnis unserer Wissenschaft als eines historischen und sozialen Prozesses, all dies sind unverändert aktuelle Aspekte. Modernen Wissenschaftlern wird es heute allzu leicht gemacht, sie auszuklammern und sich auf die Details ihres Tagesgeschäftes zu konzentrieren. Nicht nur das: Der enorme Druck, effektiv Resultate zu produzieren, der auf jedem Wissenschaftler heute lastet, zusammen mit der zunehmenden Ökonomisierung der Wissenschaften, machen interdisziplinäre Entdeckungsreisen vor dem akademischen Rentenalter fast unmöglich. Neil deGrasse Tyson hat zumindest mit seiner Teilaussage „Ich habe keine Zeit für so was“ einen wichtigen Punkt angesprochen.

          Der Alien analysiert die Sportarena

          Vor diesem Hintergrund erscheint es besonders bemerkenswert, wenn Wissenschaftler die Initiative ergreifen, um das eigene Tun philosophisch hinterfragen zu lassen. Im Rahmen des Programms „New Frontiers in Astronomy & Cosmology“ wurde durch die amerikanische Templeton Foundation in diesem Jahr eine Serie von Workshops finanziert, die sich zum Ziel gesetzt hatte, Astrophysiker und Wissenschaftsphilosophen zusammenzubringen, um über die Komplexität des Universums zu diskutieren. Eingereicht wurde dieses Projekt unter Leitung von Barry Madore von einer Gruppe von Astrophysikern an den kalifornischen Carnegie Observatories.

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