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Lob der deutschen Universität : Unser Abenteuerspielplatz

  • -Aktualisiert am

Medizinstudenten der Universität Leipzig Bild: dpa

Die Wissenschaft blüht weltweit und ist zugleich das am effektivsten globalisierte Subsystem. Und kaum ein Land hat eine so vielfältige Hochschullandschaft wie Deutschland. Wer jetzt ein Studium beginnt, kann sich freuen. Ein Lob der Universität.

          6 Min.

          Historische Wochen: Noch nie haben so viele Menschen ein Studium an deutschen Hochschulen begonnen wie in diesem Oktober, man rechnet mit einer halben Million Erstsemestlern.

          Die Aussetzung der Wehrpflicht macht sich erstmals bemerkbar, und die verkürzte Gymnasialzeit hat einen Doppeljahrgang an Abiturienten produziert. Beide Phänomene fanden nicht gerade im Verborgenen statt, trotzdem ist nun das Erstaunen über die anschwellende Studentenzahl so groß wie die allgemeine Konfusion. Wenn man über die getroffenen Maßnahmen zu ihrer „Bewältigung“ liest, klingt es, als würde eine Naturkatastrophe anklopfen: Hallen werden angemietet, leerstehende Kirchen und Kinosäle requiriert, Nahrungsmittel und Mensatabletts beschafft, es fehlt nur noch das Technische Hilfswerk.

          Man sollte bemerken, was für eine gute Nachricht das ist, denn wie traurig wäre die gegenteilige Meldung: Kaum Studienanfänger, weil die Bundeswehr jeden braucht. Man müsste sich freuen über die blühende akademische Landschaft, aber Freude ist gerade uncool, die Republik lässt sich lustvoll in eine Depression gleiten, führende Onlinemedien sorgen für die passende Stimmung: Immer steht eine Katastrophe unmittelbar bevor, und wenn nicht hier, dann in Ozeanien. Schwächelt der Dax für einige Stunden, mag es jene zwölf Prozent der Bundesbürger, die Aktien besitzen, betrüben; vermeldet wird es, als habe der Komet des Todes seinen für uns finalen Kurs genommen. Wie eigentümlich las sich der Satz von Roman Herzog in der „Zeit“, mit dem er die neue Multipolarität der Welt, den Aufstieg Chinas kommentierte: „Es ist eigentlich toll, dass wir das erleben.“

          Zukunftsangst schüren, die Vergangenheit beschönigen

          Aus Drittweltländern werden wohlhabende Länder, mit der Zahl der Menschen wächst nicht nur das Elend, sondern erstmals auch die bildungsinteressierte Mittelschicht, die sich darin an europäischen Idealen orientiert. Und kaum ein Land hat so eine vielfältige, auch regional und sozial diversifizierte Hochschullandschaft wie die Bundesrepublik. Dabei sind fast alle Hochschulen öffentlich, Privatunis sind die Ausnahme. Toll, dass wir das erleben – Herzogs Ausruf gilt auch für die höchste Zahl von Studierfähigen und -willigen in der deutschen Geschichte, aber kaum ein deutscher Erstsemestler wird einen solchen freudigen Ausruf hören.

          Denn das wenigstens ist seit meinem ersten vollanalogen Studientag konstant geblieben: Neue werden entmutigt. Grenzenlos ist die Phantasie der Universitäten, wenn es darum geht, Neulinge zu verwirren, ihnen von der ersten Stunde an das Gefühl zu geben, fehl am Platz zu sein, und ganz generell den Wunsch in ihnen zu fördern, wieder nach Hause zu gehen und Rockstar zu werden.

          Pflichtmodule werden an Orten abgehalten, die die Kartographen noch nicht entdeckt haben, oder die Teilnahme wird mit einer bei Bekanntmachung bereits verstrichenen Anmeldefrist versehen. Man bekommt keinen Sitz und keinen Hocker mehr, oder, nicht weniger einschüchternd, man ist der Einzige in der Veranstaltung, mit etwas Glück findet sich noch ein Dozent ein. Unvergesslich und unerträglich sind aber die allgemeinen Sprüche und Lebensregeln, mit denen Erstsemester behelligt werden. Sie dienen alle demselben Zweck: Furcht vor der Zukunft einzuflößen und die Vergangenheit zu beschönigen. Darauf folgt das ritualisierte Bedauern, früher sei das Studium noch anspruchsvoll und die Studenten seien radikal und mutig gewesen. Und links, seufz, so links. Heute hingegen – hier folgen die drei vielsagenden Punkte.

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