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Kritik an der DFG : Die freie Wissenschaft ist bedroht

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Wissenschaftsbetrieb im 16. Jahrhundert: Der „Alchemist“ aus der Nachfolge von Pieter Brueghel dem Älteren Bild: Archiv

Fördert die mächtige Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) den Ideenklau und die Selbstbedienung? Transparenz ist für sie ein Fremdwort. Dieses Monopol ist bedenklich.

          12 Min.

          1. Die Anamnese

          Die Deutsche Forschungsgemeinschaft ist ein Verein deutscher Universitäten und Wissenschaftsorganisationen (Forschungseinrichtungen, Akademien und wissenschaftliche Verbände). Ihr Zweck ist durch die Satzung bestimmt: Sie „dient der Wissenschaft in allen ihren Zweigen durch die finanzielle Unterstützung von Forschungsaufgaben und durch die Förderung der Zusammenarbeit unter den Forscherinnen und Forschern.“ Sie erhält Geld vom Staat, jedes Jahr etwa 2,5 Milliarden Euro. Dieses Geld verteilt sie an Forscher und Forschungseinrichtungen, vor allem für die Förderung von Forschungsprojekten. Daneben nimmt sie mit Geld Einfluss auf die Forschungsstruktur, namentlich durch die von ihr verwaltete Exzellenzinitiative, die Spitzenuniversitäten erhebliche Finanzmittel zuweist, aber ebenso durch die von der Förderung abhängige Errichtung von Sonderforschungsbereichen.

          Förderentscheidungen werden mehrstufig getroffen: Der Antrag wird von Fachwissenschaftlern begutachtet. Zentrale Entscheidung ist die Gutachterauswahl. Sie wird von der Geschäftsstelle der DFG in Bonn vorgenommen, letztlich selbstmächtig durch den Fachreferenten - und ist geheim. Nach welchen Maßstäben die Gutachterauswahl erfolgt, ob es Sperren für Missliebige und Unzuverlässige gibt oder ob bestimmte Gutachter besonders häufig zum Einsatz kommen, das alles ist unbekannt. Wir wissen auch nicht, ob eine wissenschaftliche Zusammenarbeit von Antragsteller und Gutachter zum Ausschluss führt. Nicht nur der Gutach-ter ist geheim; die Gutachten sind es auch. Allenfalls auszugsweise werden dem „Verlierer“ Begründungsaspekte von der Geschäftsstelle mitgeteilt.

          In der zweiten Stufe entscheiden dann „Fachkollegien“, die Antrag und Gutachten sichten und dabei auch ein Auge auf die Gutachterauswahl haben sollen. Diese Fachkollegien werden gewählt. Das Fach und damit das Wahlvolk wird vom Senat bestimmt. Das aktive Wahlrecht kommt den Professoren der deutschen Mitgliedsuniversitäten und promovierten Wissenschaftlern an Mitgliedsforschungseinrichtungen zu. Außerdem kann der Senat besonderen Wissenschaftlern ein Einzelwahlrecht verleihen (derzeit drei Prozent der Wahlberechtigten).

          Das passive Wahlrecht ist enger gefasst: Kein Wissenschaftler kann für ein Fachkollegium frei kandidieren und im Wahlwettbewerb um Stimmen kämpfen. Man muss vorgeschlagen werden - von den Mitgliedern, von Fachgesellschaften, denen der DFG-Senat das Vorschlagsrecht verliehen hat, vom Stifterverband oder von Leibniz-Preisträgern (die die DFG selbst kürt). Die Letztentscheidung über die Kandidatur trifft der Senat. Maßstäbe gibt die Wahlordnung nicht vor. So ist sichergestellt, dass die etwa 100 000 wahlberechtigten Wissenschaftler keine falsche Wahl treffen.

          Befürwortet ein Fachkollegium einen Antrag, so trifft die Letztentscheidung der Hauptausschuss der DFG oder ein besonderer Bewilligungsausschuss. Im Hauptausschuss sitzen 39 Senatoren, die überwiegend von den Mitgliedern gewählt sind; daneben 32 Wissenschaftsministeriale aus Bund und Ländern und zwei Repräsentanten des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft.

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