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Korruption in Vigo : Die Willkür der Kaziken

Eine politische Gegenbewegung für Partizipation und Transparenz

Die Frustration über diesen Zustand ist so groß, dass sich in dieser hübschen, trägen, überalterten Stadt vor mehr als zehn Jahren eine politische Bewegung gebildet hat, die den Selbstbedienern den Kampf angesagt hat. Sie nennt sich „Democracia Ourensana“, versammelt ein paar tausend Leute hinter sich und sitzt inzwischen mit zwei Abgeordneten im Rathaus. Ihr Büro: ein feuchter, widerwillig zugestandener Kellerraum. Ihr Programm: mehr Transparenz, Partizipation, Änderung des Wahlrechts.

Gonzalo Jácome, ihr Wortführer, führt ein Musikaliengeschäft in der Altstadt und dreht für seinen kleinen Fernsehkanal Anaia-TV Videos, in denen er eloquent gegen die „Korrupten“ und „Plagiatoren“ zu Felde zieht. Es hat etwas von einer abgedrehten Komödie, verrät aber vor allem Mut. Susana Gómez, seine Abgeordnetenkollegin, legt mir gegenüber ihren bescheidenen Monatslohn offen: 1700 Euro. Eduardo ist aus Saragossa angereist, er hat in Ourense keinen Job gefunden und arbeitet unter der Woche als Gefängniswärter. Und dann ist da noch ein wieselflinker Mann, den sie „Rafa Reporter“ nennen, er sorgt für die Bilder.

Belohnung für den Plagiator

“Der Unterschied zwischen anderen spanischen Protestparteien und uns ist, dass wir von ganz unten kommen“, sagt Jácome. „Wir sind unbekannte Bürger, Nichtprofis.“ Dann spricht Susana von der Wand, gegen die sie immer wieder anrennen. „Ohne ein willfähriges Volk gibt es keinen Kaziken. Die jungen Menschen lassen sich dominieren. Es fehlt an Bürgerbewusstsein.“

Gelegentlich schwappen Nachrichten von den skandalösen Zuständen nach draußen. Am 9. August 2012 hat die englische Beilage „Times Higher Education“ einen Artikel über Korruption an spanischen Universitäten veröffentlicht, und Vigo wird an herausgehobener Stelle genannt. Der Artikel macht in der Résistance die Runde. Was hätten die Leser wohl gesagt, wenn sie schon gewusst hätten, was wenige Monate später geschah? Gonzalo Astray, der mutmaßliche Plagiator, erhält vom galicischen Bildungsministerium ein zweijähriges Postgraduiertenstipendium.

Unzureichende Erklärungsversuche

Anfang Januar 2013 wird der nächste Skandal ruchbar: Alejandro Blanco, der Vorsitzende des Spanischen Olympischen Komitees, hat offenbar versucht, an der Universität Vigo einen Doktortitel zu erlangen, indem er eine Dissertation einreichte, die große Ähnlichkeiten mit einer an der Universität Alicante abgelieferten Arbeit zeigte.

Die beiden Dissertationen wurden von derselben Person betreut; die Presse schreibt, auf Geheiß von Blanco sei die Betreuerin in die Spanische Sportakademie aufgenommen worden. Das Sonderbare daran ist, dass sich die Universität Vigo acht Monate lang nicht zu einem Verdachtshinweis äußert, der schon im Frühjahr 2012 aus Madrid eingegangen ist. Acht Monate dröhnendes Schweigen. Dann erklärt die Universität lapidar, die inkriminierte Arbeit sei aus Mangel an Qualität „nicht angenommen worden“. Weitere Erklärungen folgen nicht.

Genug. Die Zustände in Vigo wirken wie die kleine Version der gesellschaftlichen Übel Spaniens. Eines dieser Übel ist der bedenkenlose Zugriff auf öffentliche Gelder. Ein anderes die Bestechlichkeit. Ein drittes die - von Universitätslehrern höchstselbst betriebene - Senkung des akademischen Niveaus. Und ein viertes die Schwäche der Leistungsgesellschaft gegenüber einem feudal anmutenden Klientelismus, der das moralische Unterfutter der Funktionseliten zerfrisst. Alles, was sich darüber erzählen lässt, sind Andeutungen, weiter nichts.

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