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Korruption in Vigo : Die Willkür der Kaziken

Ein Bordell als Schnittpunkt

Rektor Mato steht im Verdacht, als Referent für Forschung und Entwicklung den Betrug begünstigt zu haben. Das Verfahren dauert noch an. Schon hat sich ein neuer Kandidat für den Rektorenposten in Stellung gebracht und sich der Stimmen von Mejuto, Araújo und ihren Anhängern versichert. Es läuft, wie es immer lief.

Die Einzelheiten, die die Medien in jenen Tagen ausbreiten, sind allerdings gruselig: Der Schnittpunkt korrupter Verbindungen zwischen Industrie und Politik war das Bordell „Queen’s“ im Gewerbegebiet von Lugo. Im Jahr 2010 verschwand dort eine Prostituierte, von der man annimmt, sie sei ermordet worden. Universitätsrektor Mato leugnet jede Kenntnis krimineller Zusammenhänge.

Die Doppelmoral des Rektors

Es ist dieser Rektor, der dem mutmaßlichen Plagiator Astray kurz vor der Ziellinie seine Auszeichnung wegnimmt, ob aus Opportunismus oder Angst vor öffentlicher Kritik, bleibt im Dunkeln. Doch Astray lässt die Schmach nicht auf sich sitzen, er glaubt, den Preis verdient zu haben. Vor dem Universitätsrat reicht er Klage ein - und wird abgewiesen.

Da bemüht er die Justiz. „Es ist sonderbar“, sagt er im Mai 2012 der Presse, die über die Skandale an der Hochschule mit Exzellenzprädikat inzwischen regelmäßig berichtet, „dass das Werturteil des Rektors sich auf die Ehrenhaftigkeit und den guten Namen der Universität beruft, während gegen denselben Rektor wegen Geldwäsche und der Veruntreung öffentlicher Gelder ermittelt wird.“

Die Abwanderung der Jungen

Ein Wort zum spanischen Nordwesten. Die Provinz Ourense mit der Hauptstadt Ourense, eine Gegend ohne nennenswerte Industrie und die einzige galicische Provinz ohne Zugang zum Meer, gehört zu den Armenhäusern des Landes. Die Krise hat hier besonders hart zugeschlagen.

Die agrarisch geprägte Gesellschaft altert, den Jungen bleibt oft nichts anderes übrig, als wegzugehen. „Von mehr als vierhunderttausend Einwohnern vor dreißig Jahren ist die Bevölkerungszahl auf 330 000 gesunken“, erzählt mir der galicische Gewerkschaftsführer Etelvino Blanco. „Heute wohnen in Ourense mehr Rentner als Menschen im erwerbsfähigen Alter.“ Das Eigentümliche dieser Gesellschaft sei die grundsätzliche Unterwerfungsbereitschaft des „Volkes“ und die unantastbare Herrschaft des Patrons oder „Kaziken“.

Ein durchdringendes Korruptionsnetz

Der Begriff des „Kaziken“ gehört zwar eher in die lateinamerikanische Politologie, passt aber nicht schlecht. Figuren wie Ourenses konservativer Provinzpräsident José Luis Baltar (PP), sagt Blanco, hätten zwanzig Jahre lang die Macht innegehabt, mit öffentlichen Mitteln Gefälligkeiten verteilt und sich durch Pöstchenvergabe Stimmen gekauft. Inzwischen laufen gegen Baltar Verfahren wegen Bestechlichkeit und Veruntreuung öffentlicher Gelder.

Bevor er 2012 als Provinzpräsident und lokaler PP-Parteichef abtrat, hievte er seinen Sohn in dieselben Ämter, die er zu räumen im Begriff war. Dabei soll Baltar für parteinahe Verbündete, deren Wahlstimmen er brauchte, mehr als hundert neue Arbeitsstellen „geschaffen“ haben, vor allem als Telefonisten und Türsteher. Mehrere Dutzend Personen, spottete die Presse, bewachten zusammen drei Türen. Aber es funktionierte, so wie es immer funktioniert hatte. Die Willkür des Kaziken wurde nicht in Frage gestellt. „Das Netz erstreckt sich nicht nur auf die Politik“, sagt Blanco, „sondern auf die Justiz, die Kirche und andere Bereiche.“

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