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Humanoider Roboter : Der Golem lebt, möge er friedlich bleiben

Richtungsweisend: Der Roboter REEM der spanischen Firma PAL Robotics zeigt in eine unvorhersehbare Zukunft. Bild: Felix Seyfert

Das Jüdische Museum Berlin zeigt eine Ausstellung zu dem Menschheitstraum, selbst zum Schöpfer zu werden. Ist der moderne Golem der Künstliche-Intelligenz-Forschung ein unkontrollierbares Nachbild der Menschen?

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          Die älteste Überlieferung des Versuches, einen künstlichen Menschen zu erschaffen, stammt aus dem babylonischen Talmud, die jüngsten Beispiele aus den Roboterlaboren der heutigen Welt. Mit einer großartigen Ausstellung widmet sich das Jüdische Museum Berlin dem ewigen Menschheitstraum, selbst zum Schöpfer zu werden, mit all seinen ambivalenten Ausprägungen. An Anfang und Ende der Exkursion in die Kulturgeschichte stehen die modernen Golems der Künstliche-Intelligenz-Forschung mit ihrem Potential, zu helfen, aber auch außer Kontrolle zu geraten.

          Regina Mönch
          Freie Autorin im Feuilleton.

          Die Geschichte des Prager Golems setzt sich nach dem Ausstellungskonzept heute in Gentechnologie, Robotik und krisenhaften politischen Bewegungen fort. Gleich im ersten Kapitel wird an den ersten israelischen Großcomputer erinnert, der 1965 auf Anregung des Religionshistorikers Gershom Scholem den symbolträchtigen Namen „Golem Aleph“ erhält. Scholem erörterte damals in seiner Laudatio die Analogie zwischen Golem und künstlicher Intelligenz und wünschte der beeindruckenden Maschine, sie möge friedlich bleiben. Der Roboter REEM der spanischen Firma PAL Robotics (unser Foto) ist einer der jüngsten seiner Art und geistert zuweilen durch die Ausstellungsräume des Museums. Was er ist, kann jeder erkennen, was er kann, jedoch nur vermuten.

          Das Ende der Menschheit?

          Mit der Fotoserie „Human Version 2.0“ des Franzosen Yves Gellie wird der Besucher unvermittelt in die Zweideutigkeit dieser künstlichen Ebenbilder hineingezogen. Der eine (Foto unten) ist Hiroshi Ishiguro von der Universität Osaka, der andere sein Doppelgänger, ein Android namens Geminoid HI-2. Aber wer ist der Golem und wer sein Schöpfer? Gellie hat seine Serie in den Roboterlaboren der Welt fotografiert. Zu sehen sind Silikon-Körperteile, Kabel und auch die Pumps für einen weiblichen Roboter. Was wir nicht sehen, sind die Visionen und Leitbilder der Konstrukteure. Die Idee vom Roboter als Freund und Helfer ist nur die eine Seite dieser revolutionären Entwicklung, auch weil die tatsächlichen Bedürfnisse künftiger Nutzer bisher ungenügend erforscht sind.

          Mit einer apokalyptischen Warnung Stephen Hawkings wird der Besucher in die Wirklichkeit entlassen: Die Entwicklung einer vollständigen künstlichen Intelligenz könnte das Ende der Menschheit bedeuten, weil diese der ungeheuren Entwicklungsgeschwindigkeit ihres elektronischen Nachbilds nicht mehr nachkäme.

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