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Jahr der Mathematik : Der Mann an der Zugbrücke

Mehr Spielraum für Spaß: Mathematiker Ziegler Bild: S. Böck/TU Berlin

Mathematik, das unbeliebteste aller Schulfächer, gilt vielen nur als abstrakte und trockene Disziplin. Günter Ziegler hingegen verspricht einen Abenteuerspielplatz, auf dem es vieles zu entdecken gibt.

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          Mathematik gilt als Königin der Wissenschaft. Doch für viele ist sie nur eine abstrakte und trockene Disziplin, deren Aussagen man gar nicht oder nur schwer begreift. Obendrein führt sie ungebrochen die Liste der unbeliebtesten Schulfächer an. Solche Vorurteile kennt Günter Ziegler von der Technischen Universität Berlin zur Genüge und will mit ihnen dieses Jahr gehörig aufräumen (Chancen am Arbeitsmarkt? Lesen Sie „Wissenschaft macht Karriere: Hochstimmung im Jahr der Mathematik). Gelegenheiten dazu dürfte es für den 44 Jahre alten Mathematikprofessor in den kommenden Monaten reichlich geben. Schließlich koordiniert er als Präsident der Deutschen Mathematiker-Vereinigung - von wissenschaftlicher Seite her - das "Jahr der Mathematik", das heute offiziell beginnt.

          Manfred Lindinger
          Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Die Öffentlichkeit versuche, die Mathematik auf Zahlen und Formeln zu reduzieren - ein äußerst eindimensionales Bild, beklagt Ziegler, dessen jugendliche Erscheinung so gar nicht zum verbreiteten Mathematiker-Image passen will. Die kurzen Haare blond gefärbt, im rechten Ohr steckt ein goldener Ohrring. Für Ziegler ist die Mathematik ein Abenteuerspielplatz, auf dem es vieles zu entdecken gibt. Ob beim Austausch vertraulicher Daten im Internet, in der Grafik eines Computerspiels, im MP3- und CD-Spieler - überall stecke Mathematik drin, aber nur wenige wüssten das auch. Das soll sich nun ändern.

          Schluss mit bloßem Formelpauken

          Ein großes Anliegen im "Jahr der Mathematik" ist der Mathematikunterricht in den Schulen, der sich nicht länger auf Formelpauken beschränken dürfe. Ziegler fordert mehr Spielraum für Themen, die den Lehrern wirklich Spaß machen, auch wenn sie nicht auf den Lehrplänen stünden. Nur so könne man Schüler wieder begeistern und ihnen die Angst vor dem "Schreckensfach" nehmen. Deshalb will man anders als in den Wissenschaftsjahren zuvor gezielt in die Schulen gehen und mit speziellen Veranstaltungen die Kinder für Mathematik begeistern.

          Der in München geborene Ziegler scheint die ideale Person für das ehrgeizige Vorhaben zu sein, begann er seine Mathematikkarriere doch selbst als Pennäler. Fünfmal nahm er am Bundeswettbewerb Mathematik teil, zweimal gewann er den ersten Preis. Auch bei "Jugend forscht" wurde er Sieger. Das "Jahr der Mathematik", das mit rund sieben Millionen Euro unter anderem vom Bundesforschungsministerium gefördert wird, dürfe nicht zur reinen PR-Aktion werden und eine Eintagsfliege bleiben, mahnt Ziegler. Mit einem Redaktionsbüro, das mathematische Themen verständlich aufbereitet, will er etwa das Image der Mathematik über 2008 hinaus verändern. Vielleicht gelingt es ihm und seinen Mitstreitern ja tatsächlich, die vor einigen Jahren von Hans Magnus Enzensberger beschriebene Zugbrücke zwischen Mathematik und Öffentlichkeit wieder in Betrieb zu nehmen.

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