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Die Zukunft der Menschheit : Was hilft der kluge Kopf in der viel klügeren Welt?

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Weltraumbesiedelung ist kein abstraktes Gedankenspiel mehr. Das Mond-Habitat der European Space Agency existiert bisher aber nur im 3D-Druck. Bild: ESA/Foster and Partners

Am „Future of Humanity Institute“ in Oxford denken Wissenschaftler über die Frage nach, wie die Menschheit im technischen Fortschritt ihr Überleben sichern kann – und was für eine Menschheit das sein wird.

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          Angesichts der historischen Pracht Oxfords mit seinen mittelalterlichen Gassen, den beschaulichen Colleges und den von den Dächern herabblickenden Dämonenfiguren wirkt das Ambiente des Future of Humanity Institute (FHI) bescheiden. Ein Bürokomplex neben einem Fitnessstudio. Im Innern tauchen Rasterleuchten die schmalen Gänge in kaltes Licht. In der Nische eines fensterlosen Raums steht ein Whiteboard. Das Diagramm auf der Tafel hat eine Skala von null bis hundert. Zwei Dutzend Striche ballen sich um die Marke von zehn, zwölf Prozent. Mit schwarzem Marker steht darunter geschrieben: „Wahrscheinlichkeit, dass die Menschheit in diesem Jahrhundert ausstirbt.“

          Das Diagramm ist so etwas wie die Zweckerklärung des Future of Humanity Institute Oxford (FHI). Philosophen, Informatiker, Neurowissenschaftler und Mathematiker erforschen hier die Gefahren für das Fortbestehen der Menschheit. „Noch birgt ein Nuklearkrieg wohl das größte Risiko“, sagt Anders Sandberg, ein schwedischer Neurowissenschaftler am FHI. Aber das werde sich durch die Fortschritte in der synthetischen Biologie und der künstlichen Intelligenz bald ändern.

          Gefahr durch den eigenen Geist

          Beim öffentlichen Nachdenken über Gefahren für die Zukunft steht der Klimawandel im Vordergrund. Die Forscher am FHI konzentrieren sich dagegen auf Bedrohungen, die die Existenz der Menschheit als Ganzes in Frage stellen. Sandberg hat ein in Holz gerahmtes Mistkäferpärchen in sein Büro gehängt. Bis 2012, sagt er, wurden gut fünfzigmal mehr wissenschaftliche Publikationen über die Geotrupidae veröffentlicht als über existentielle Gefahren für die Menschheit. Selbst Star Trek sei besser erforscht.

          Auf Sandbergs Monitor wechseln sich Aufnahmen leuchtender Sternnebel und irdischer Steinsedimente ab. Ob es andernorts im Universum Leben gibt, wissen wir nicht, doch das fossile Gedächtnis unseres Planeten gibt uns guten Grund, über unser Überleben nachzudenken. Ein Asteroideneinschlag hat vor 65 Millionen Jahren die Herrschaft der Dinosaurier beendet. Dieses Schicksal könnte auch uns ereilen. Doch längst haben wir den Himmel vermessen, und sollte die Erde die Laufbahn eines kosmischen Geschosses kreuzen, so könnten wir es wohl mit einer Raumsonde von seiner Bahn abbringen. Gefahr, so glauben die Oxforder Zukunftsforscher, droht uns weniger von den Naturgewalten des Universums als vom Einfallsreichtum unseres Geistes.

          Gegen den Status quo: Anders Sandberg

          Dass bisher vor allem Science Fiction unser Bild der Zukunft prägt, stört Sandberg. „Es gibt viele Leute, die Erklärungen einfach erfinden und keinerlei Berechnungen machen.“ Zukunft als Entertainment. Doch können wir die Zukunft überhaupt berechnen? Viele mächtige Technologien sind vermutlich noch gar nicht absehbar. Wer hätte vor hundert Jahren den Eingriff ins menschliche Erbgut für möglich gehalten?

          Wo sind sie denn alle?

          Die Forscher des FHI versuchen den Balanceakt zwischen Spekulation und Wissenschaft zu meistern, indem sie strikt entscheidungstheoretisch argumentieren und die Expertise verschiedener Disziplinen zusammenbringen. Sandberg hat einen Aufsatz veröffentlicht, der das Fermi-Paradox zu schärfen versucht. Dieses Paradox beruht auf der Beobachtung, dass in unserer relativ jungen Galaxie eine große Zahl erdähnlicher Planeten existiert, wir aber keine Spuren außerirdischen Lebens finden. Auf Grundlage physikalischer Erkenntnisse zur Dichte des intergalaktischen Raums und der Analyse bestehender Technologien, etwa in der Raketentechnik, folgert Sandberg, dass es für die Menschheit in naher Zukunft möglich wäre, Proben in andere Galaxien zu senden. Wenn im Gegenzug auch Zivilisationen aus fernen Galaxien uns hätten erreichen können, schließt Sandberg, ist das Fermi-Paradox umso verblüffender: Wo sind sie denn alle?

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