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Hochschulreform : Der Sonderweg des Ordinariats

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Viele Studenten, wenig Professoren: Die Betreuungsrelation ist eines der zentralen Probleme des deutschen Hochschulsystems Bild: dpa

Das Lehrstuhlprinzip ist das große Reformhindernis der deutschen Universität. Doch statt die professorale Monokratie abzubauen, hat man sie jahrzehntelang zementiert. Und fördert sie noch heute.

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          Der Universität in Deutschland geht es nicht gut. Geklagt hat man über Jahrzehnte viel, aber die Sorgen sind immer gut begründet gewesen. Oft ist es der Politik gelungen, mit Reformen Verbesserungen zu erzielen. Seit knapp fünfzehn Jahren verschlechtert sich die Situation jedoch zunehmend - trotz gewaltiger finanzieller Investitionen. Das Problem besteht darin, dass die zentrale Systemschwäche, nämlich das Ordinariensystem, nicht nur nicht abgeschafft, sondern versehentlich in den vergangenen Jahren massiv ausgebaut worden ist.

          Im Gegensatz zu den meisten anderen Hochschulsystemen der Welt beruht das deutsche Universitätssystem auf dem Lehrstuhlprinzip: Budgetgewalt, Personalverantwortung und vieles mehr liegen bei der einzelnen Professur. Diesem Modell, kurz der „Ordinarienuniversität“, steht das Department-Modell gegenüber: Hier sind die Professuren in Forschung und Lehre unabhängig, aber die finanzielle und personelle Verfügungsgewalt liegt bei einer höheren Organisationseinheit, dem Institut oder dem Department. Es gibt zwar unterschiedliche Ränge und vor allem auch befristete Professuren, aber keinen „Mittelbau“. Im Department ist das wissenschaftliche Personal mit prinzipiell gleichen Rechten ausgestattet.

          Der universitäre Sonderweg, den Deutschland und übrigens auch die deutschsprachige Schweiz sowie Österreich wählen, wird mehr und mehr zu einem Risiko für den Fortbestand innovativer Forschung. Dieser Sorge verliehen schon 2014 die wichtigsten Beratungsgremien der Bundesregierung Ausdruck: der Wissenschaftsrat und die Expertenkommission Forschung und Innovation. Letztere hält es sogar für denkbar, dass die medizinische Forschung bis 2020 in Deutschland zusammenbricht. Es gibt zugleich einen breiten politischen Konsens, dass man mehr Professuren schaffen und den Mittelbau verkleinern müsste.

          Der Ordinarius kehrt zurück

          Dabei trägt die Ordinarienuniversität maßgeblich dazu bei, dass die Forschung in Deutschland ökonomisch ineffizient ist, möglicherweise Innovation behindert und außerdem Zehntausende sogenannter Nachwuchswissenschaftler ins berufliche Nirwana schickt. Dennoch bewegt sich nichts. Dass die Ordinarienuniversität keine forschungsfreundliche Struktur bildet, ist schon länger erkannt. Bereits 1967 plädierte der Wissenschaftsrat für eine Umgestaltung, die dann tatsächlich einsetzte. Die Studentenrevolte der 1968er löste den Strukturwandel an den Universitäten nicht aus, dürfte ihn aber erleichtert haben.

          Namentlich die Stärkung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) lässt sich auf das Bemühen zurückführen, die Lehrstühle zu schwächen und die Professuren zu kooperativem Verhalten anzuregen. Man erfand die Sonderforschungsbereiche Ende der sechziger Jahre mit dem ausdrücklichen Wunsch, „dem monokratischen Direktorialprinzip“ (wie der Wissenschaftsrat 1967 formuliert) ein Ende zu bereiten. In den vergangenen 45 Jahren dürften die um 1970 umgesetzten Reformen bis in die neunziger Jahre hinein stärker als alle späteren Ansätze die Ordinarienuniversität zurückgedrängt haben.

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