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Erfolgsmodell Frau : Mal wieder die Hormone

Frauen haben Krisensituationen besser im Griff. Bild: dpa

Die Politik will mehr Frauen in den Aufsichtsräten. Das finden auch Hirnforscher gut, denn als Manager seien Frauen krisenfester. Ein klassisches Missverständnis, wie der Blick ins weibliche Gehirn zeigt.

          Der Feind ist der Stress, nicht die Frau. Auf diesen Punkt könnte man bringen, was die „New York Times“ vor kurzem unter dem Titel „Sind Frauen die besseren Entscheider?“ veröffentlicht hat. Es war ein Essay der Buchautorin Therese Huston, Psychologin an der Seattle University, der es um die kognitiven Vorzüge der Geschlechter geht. Die uralte Frage nach der Überlegenheit beantwortet sie völlig ironiefrei so: Frauen sind die Top-Entscheider, jedenfalls in Krisensituationen. Ergo sollten Frauen nicht nur in Aufsichtsräten sitzen, sondern auch in den höchsten Managementetagen, wo die existentiellen Entscheidungen zuerst fallen. Weltweit sind nicht mal zehn Prozent der Vorstandsposten von Frauen besetzt. Wenn es kritisch wird, sagt Huster und beschreibt dazu einige psychologische Laborexperimente, gehen männliche und weibliche Kognition unterschiedliche Wege. Frauen gehen auf Nummer Sicher, Männer suchen das Risiko - und scheitern allzu oft.

          Facebook-Managerin Sheryl Sandberg hat den Besteller „Lean in“ geschrieben: Vom Wille der Frau zur Macht.
          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Im Harvard Business Review von vor etwas mehr als einem Jahr ist eine Studie der McMaster University, angeführt, die nach Befragung von 600 Firmenlenkern (drei Viertel männlich) zu dem Ergebnis gekommen war: Frauen handeln vorsichtiger, kooperativer und treffen Entscheidungen eher nach Abwägung von mehr als nur den eigenen Interessen. Die Frage ist: Woher kommt's? Vom Kopf, Erziehung, Intuition? Schuld ist, interpretiert man Huster richtig, nicht der Kopf und  nicht der Stil, sondern das Stresshormon Cortisol. Schon ein geringer Anstieg trübt die Entscheidungsfähigkeit, und bei Frauen findet man in Krisensituationen eben deutlich weniger Cortisol im Blut.

          Erfolg mit weiblichen Managern

          So weit, so gut. Die Verlagerung der Entscheidungsinstanz aus dem Kopf in die Peripherie, wo das Cortisol herkommt, spricht zumindest gegen die These vom überlegenen weiblichen Frontalhirn, in dem die Entscheidungen fallen.  Die Geschlechterunterschiede verschwinden auch rasch, wenn der Stress aus der experimentellen Situation entfernt wird. Männer und Frauen entscheiden also gar nicht anders, sie sind höchstens unterschiedlich cool. „Wenn wir bessere Entscheidungen in den Organisationen anstreben, müssen wir darauf achten, wer die Zähne heftiger zusammenbeißt.“ Huster nennt als Kronzeuge die „Credit Suisse“, die in einer Untersuchung der Betriebsergebnisse von 2400 globalen Großkonzernen zwischen 2005 und 2011 diejenigen im Vorteil sah, die mindestens eine Frau in der Vorstandsetage hatten: Um plus 26 schnitten sie im Mittel besser ab als die reinen Männerriegen.

          Für Huston sind die gestressten Männer mit ihrer gesteigerten Egozentrik das größte Problem, die empathischen weiblichen Züge hingegen von Vorteil. Kant, um nur an einen der Philosophen mit ebenfalls erkennbar klischeehaften Neigungen beim Thema Geschlechter zu nennen, sprach in der Hinsicht von der „Sanftheit“ des weiblichen Geistes, die Aristoteles immerhin komplexer als „sanfter in der Disposition, doch bösartiger, schwieriger und impulsiver“ betrachtete. Nun fehlten Kant und Aristoteles jede neurologische Empirie, weswegen der Ausflug Hustons in die experimentelle Psychologie zumindest zeitgemäßer erscheint.

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