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Europäische Wissenschaftsförderung : Eine Außenpolitik für die Wissenschaft

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Nicht nur die Programme, auch die Orte müssen stimmen: in der Universitätsbibliothek von Jena Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Die Europäisierung der Wissenschaftsförderung wird viel beschworen. Bislang ist vor allem Bürokratie herausgekommen. Die Sprache bringt Anglophonen einen erheblichen Konkurrenzvorteil. Wichtig für einen fruchtbaren Austausch wäre es, die Orte der Forschung stärker zu beachten.

          Die Bundesregierung hat im Februar 2008 ein umfassendes Programm zur Internationalisierung der deutschen Wissenschaftspolitik verabschiedet. Der Bundesaußenminister will einen besonderen Akzent auf die Außenpolitik legen. Das reagiert auf die Tatsache, dass Wissenschaft in besonderem Maße globalisiert ist, wie es etwa in dem Slogan von der weltweiten Konkurrenz um die besten Köpfe zum Ausdruck kommt. Bedenkt man jedoch das Ziel der Internationalisierung von der Wissenschaft her, werden Barrieren erkennbar, die nur mittelbar mit Geld und Politik zu tun haben, wohl aber für die Förderung von Wissenschaft folgenreich sind. Zwei solcher Aspekte globalisierter Wissenschaft sind Sprache und Macht.

          Wissenschaft ist eine sprachabhängige, kulturelle Tätigkeit. Sie hat natürlich viele andere Aspekte wie disziplinäre Methoden, technologische Voraussetzungen oder institutionelle Strukturen. Wenn es jedoch um neue Ideen aufgrund internationaler Zusammenarbeit geht, ist die Tatsache, dass Wissenschaft sich in kulturellen Kontexten entwickelt, von weitreichender Bedeutung. Das gilt auch für die Naturwissenschaften.

          Kulturabhängigkeit von Wissenschaft

          Sprachabhängigkeit bedeutet dabei zunächst, dass es darauf ankommt, in welcher Sprache Wissenschaft betrieben wird. In seiner Muttersprache denken und diskutieren zu können ist für die Welt der Ideen, für die Phantasie, eine wichtige Quelle der Produktivität. Da in der Wissenschaft heute die allgemeine Verständigung auf Englisch stattfindet, hat der nicht anglophone Wissenschaftler einen Nachteil. Die Übersetzung hilft dabei nur bedingt. Kontextuelle Konnotationen, die den Reichtum des jeweiligen Ausdrucks ausmachen, gehen auf dem Weg von der Muttersprache ins Englische, aber auch bei der Rückübertragung verloren. Der Bedeutungswandel der Freudschen Kategorien durch ihre Auswanderung in die Vereinigten Staaten und ihre Rückkehr nach Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg ist ein vielbesprochenes Phänomen dieser Art.

          Positiv gewendet: Wenn die bestmögliche Übersetzung gelungen ist, sind die verbleibenden Unterschiede das eigentlich Interessante, das zur Modifikation des eigenen Denkens führen kann. Insofern macht die Kulturabhängigkeit von Wissenschaft die besondere intellektuelle Attraktivität des Umgangs mit Wissenschaftlern aus anderen kulturellen Kontexten aus. Allerdings ist dieser Reiz davon abhängig, dass die anderen sich nicht unumwunden anpassen und ihre eigene Sichtweise verteidigen und dass Zeit und Gelegenheit für ein vertieftes Verständnis des anderen zur Verfügung stehen.

          Außenpolitik ist Innenpolitik

          Wissenschaftssprache wird in solchen Nuancen nur im Kontext der jeweiligen Gesellschaft zugänglich. Vergegenwärtigt man sich etwa die Unterschiede eines wissenschaftlichen Vortrages eines Amerikaners, eines Engländers und eines Deutschen, wird deutlich, wie stark der Vortragsstil mit den gesellschaftlichen Idealen des Überzeugens, der Rhetorik, verbunden ist. Dem gelehrten Vortrag des Deutschen fehlt für den Engländer die Ironie, für den Amerikaner der auflockernde Witz, der die Ernsthaftigkeit erst erträglich macht. So ist es, um die wissenschaftlichen Sprachspiele im Englischen zu beherrschen, beinahe unumgänglich, in einem englischsprachigen Milieu gearbeitet zu haben.

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