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Europäische Wissenschaftsförderung : Eine Außenpolitik für die Wissenschaft

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Die Bedeutung des zwanglosen Austausches

Entscheidend für die Qualität dieses Ortes ist, wie attraktiv er für die anderen ist, ob die Welt dorthin kommt, dass es Zeit und Gelegenheit für den intensiven Austausch von Ideen gibt. Häufig ist das regelmäßige Treffen in der Cafeteria oder vor dem Lesesaal entscheidend, der persönliche Austausch ohne unmittelbaren Produktionsdruck.

Eine Förderung international anregender Orte der Forschung hat den Vorteil der Personenförderung. Sie ist offen für ungeplante Lernchancen. Durch die institutionellen Arrangements kann versucht werden, die Asymmetrie der Wissensordnung zu kompensieren, etwa indem die Kommunikation der Wissenschaftler sprachlich unterstützt und möglichst von vorgegebenen Hierarchien frei gehalten wird. Die Rituale der Gemeinschaft und die Proportionen der Einladungen können so gestaltet werden, dass die Gleichheit der Wissenschaftler, unabhängig von Alter, Herkunft und Geschlecht, betont wird, so dass die mitgebrachten Positionen in den akademischen Hierarchien in den Hintergrund treten.

Globalisierung als Chance

Warum sind Orte der Forschung bei den bisherigen Programmen so wenig beachtet worden? Verschiedene Schwierigkeiten mögen dafür verantwortlich sein: Wenn eine solche Institution außerhalb Deutschlands gefördert werden soll, ist es schwierig, das nationale Interesse nachzuweisen, weil der dort eingeladene deutsche Forscher nicht mehr davon profitiert als der Ausländer.

Welche Einrichtung dieser Art soll gefördert werden? Im Prinzip gibt es viele signifikante Institutionen, an denen die Wissenschaftskulturen sich begegnen können. Ihre wissenschaftliche Bedeutung oder besondere Beziehungen zu deutschen Wissenschaftlern mögen hier Kriterien für die Auswahl sein, aber es kommen viele andere schwer vorhersehbare Gesichtspunkte hinzu, die Verwaltungen vor große Schwierigkeiten bei der Entscheidungsfindung stellen. Vor allem lässt sich der Erfolg der Förderung eines solchen Ortes der Forschung in der Regel nicht kurzfristig feststellen. Ein Ruf, der die Wissenschaftler anzieht, entwickelt sich langsam. Für Verwaltungen ergibt sich daraus die Schwierigkeit, die Förderung trotzdem zeitlich zu begrenzen. Aus langer Förderung entsteht leicht die Erwartung auf unbefristete Unterstützung.

Auch wenn diese Schwierigkeiten tatsächlich bestehen, zeigen inländische wie ausländische Beispiele, welche ungewöhnlichen Wirkungen solche Einrichtungen als Lerngemeinschaften haben. Wenn die Bundesregierung sich zu Recht für die stärkere Internationalisierung von Wissenschaft und Forschung einsetzt, sollte sie die Förderung von Orten der Forschung einbeziehen, die für Wissenschaftler aus unterschiedlichen Kulturen besonders attraktiv sind, auch wenn sie im Ausland liegen. An solchen Orten kann es gelingen, Globalisierung nicht als Problem, sondern als Chance zu erleben.

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