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Europäische Wissenschaftsförderung : Eine Außenpolitik für die Wissenschaft

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Erfolgreiche Wissenschaftler investieren ihre Zeit in das Erlernen einer fremden Sprache, wenn sie sich daraus einen Vorteil für ihre Wissenschaft versprechen. Die Sprache folgt insofern der Sache. Wenn in einer Sprache keine neuen Ideen mehr entstehen, wird sie in dieser Wissenschaft nicht mehr verwendet. Für die Wissenschaftspolitik gilt deshalb ein kulturpolitischer Gemeinplatz: Auswärtige Wissenschaftspolitik setzt voraus, dass dafür gesorgt wird, dass Wissenschaft in Deutschland für Ausländer attraktiv bleibt. Deutsch als Wissenschaftssprache ist davon abhängig, dass Ausländer sich entscheiden, nicht nur Deutsch zu lernen, sondern auch in deutschen Kontexten zu arbeiten.

Austausch auf Augenhöhe

Wenn die wissenschaftliche Kommunikation nur noch auf Englisch stattfindet, haben englischsprachige Wissenschaftler und ihre Institutionen einen Konkurrenzvorteil. Die Kompensation dieser sprachlichen Asymmetrie der Wissensordnung ist eine wichtige Voraussetzung für den wissenschaftlichen Erfolg. Die Sprache ist jedoch nur ein Element dieser Asymmetrie. Sie wird durch den „citation index“, Karrieremuster, Redaktionskomitees und Evaluationskriterien verstärkt. Einfach von Austausch oder „gleicher Augenhöhe“ zu sprechen ist ein Euphemismus, der der tatsächlichen Ungleichheit nicht Rechnung trägt. Die mangelnde Berücksichtigung solcher Machtstrukturen führt zu ihrer Verfestigung. Demgegenüber kommt es darauf an, durch kluge institutionelle Arrangements der Asymmetrie der Wissensordnung entgegenzuwirken, in der Zusammenarbeit mit der anglophonen Welt und in der Zusammenarbeit mit Wissenschaftskulturen der Schwellen- und Entwicklungsländer.

Welche Konsequenzen ergeben sich aus diesen Überlegungen für die Art, wie Internationalisierung gefördert werden soll? Aus der Kulturabhängigkeit neuer Ideen ergibt sich zunächst, dass die Personenförderung den größten Nutzen verspricht, die Entsendung von deutschen Studenten und Forschern ins Ausland und die Einladung von Ausländern nach Deutschland. Die vielfältigen personenbezogenen Programme des Austausches schaffen besonders intensive Gelegenheiten, den Umgang mit der fremden Wissenschaftskultur und ihrer Sprache einzuüben, aber auch zu lernen, sich in den akademischen Machtstrukturen international zu positionieren.

Personen statt Programme

Großgeräte und internationale Forschungseinrichtungen werden in der Regel mit der Wichtigkeit der Aufgabe und der notwendigen Teilung der Kosten begründet, erweisen sich aber auch als besonders fruchtbare Orte des Austausches zwischen Forschern aus unterschiedlichen Disziplinen und Wissenschaftskulturen. Das Institut Laue-Langevin in Grenoble, die Teilchenbeschleuniger bei DESY in Hamburg oder das Europäische Labor für Molekularbiologie in Heidelberg sind gute Beispiele für diese Attraktivität.

Die Bedeutung der Förderung von solchen Orten gemeinsamen Forschens ist ein bisher wenig beachteter Punkt der Internationalisierung von Wissenschaft. Sie kommen jedoch auf besondere Weise den Anforderungen entgegen, die sich aus den globalisierten Bedingungen von Wissenschaft ergeben. Die Grenzenlosigkeit eröffnet den Wissenschaftlern unendlich viele mögliche Verbindungen, Netzwerke. Effektive Arbeit erfordert jedoch Begrenzung, auch auf bestimmte Orte, an denen die Wissenschaftler tatsächlich zusammen leben und arbeiten. Effektiv arbeiten kann man nur an einem Ort.

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