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Wissenschaftliche Großverlage : Es gibt keine andere Erklärung als Gier

  • Aktualisiert am

Mut zum riskanten Schritt: Prof. Ulrich Johannes Schneider, Direktor der Universitätsbibliothek Leipzig Bild: privat

Antwort auf erpresserische Preispolitik: Die Universität Leipzig lässt die Verhandlungen mit dem Großverlag Elsevier scheitern. Ihr Direktor Ulrich Johannes Schneider erklärt im Interview die Gründe.

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          Herr Schneider, die Universität Leipzig hat gerade die Lizenzverhandlungen mit dem Großverlag Elsevier abgebrochen. Was war der Grund?

          Ulrich Johannes Schneider: Es lag an den überhöhten Preisforderungen von Elsevier. Wir bekamen einfach kein befriedigendes Angebot für einen neuen Vertrag.

          Um welche Zeitschriften und Preisforderungen ging es?

          Insgesamt ging es um dreihundert Zeitschriften, darunter Spitzenzeitschriften, die für die Forschung unerlässlich sind. Wir haben den Preis pro Download angesetzt und versucht, uns mit Elsevier auf eine vernünftige Summe zu einigen. Elsevier hat sich auf unsere Forderungen aber nicht eingelassen. Seine Durchschnittspreise lagen so hoch, dass sogar ein Dokumentenlieferdienst billiger gewesen wäre. Wir hatten das Gefühl, dass Elsevier einfach einen bestimmten Betrag haben wollte, ganz unabhängig vom inhaltlichen Angebot.

          Wie kommen Leipziger Wissenschaftler jetzt an die Zeitschriften?

          Wir müssen tatsächlich über Dokumentenlieferdienste operieren, die einzelne Aufsätze beschaffen. Das ist umständlicher, für uns aber momentan preiswerter.

          Es heißt, eine einzelne Zeitschrift kostet bei Elsevier bis zu 21 000 Euro. Wie kommt es zu den hohen Summen?

          Gier. Es gibt keine andere Erklärung. Die Gewinnmargen von Elsevier sind bekannt. Sie lagen in den vergangenen Jahren bei rund dreißig Prozent. Das ist Geldschneiderei.

          Die Zeitschriftenaufsätze werden von öffentlich finanzierten Wissenschaftlern geschrieben, begutachtet und meist auch redaktionell betreut. Wo liegt der Beitrag des Verlags?

          Das lässt sich schwer einschätzen. Es stimmt natürlich, dass die Wissenschaftler weitgehend unentgeltlich mitwirken. Außer dem Drucken und Binden hat der Verlag wenig Arbeit, bei elektronischen Publikationen - und um die ging es in unseren Verhandlungen ausschließlich - gilt das entsprechend. Trotzdem beobachten wir, dass die Zeitschriften ohne erkennbare Qualitätsverbesserung in einem enormen Maße teurer werden. Das kann nur an einer Steigerung der Gewinnmarge liegen.

          Vor drei Jahren gab es weltweiten Protest von Wissenschaftlern gegen die Preispolitik der Großverlage. Hat sich danach etwas verändert?

          Nicht wirklich.

          Wird Open Access die Lage bessern?

          Open Access ist zwar im Aufwind, auf absehbare Zeit wird sich die Situation aber nicht grundlegend verändern. Man erwartet von Open Access immer große Kosteneinsparungen. Aber auch dieser Publikationsweg braucht eine Infrastruktur und wird etwas kosten. Bisher ist Open Access kaum gewinnorientiert. Es gibt inzwischen aber auch kommerzielle Verlage mit Open-Access-Journalen. Wie lange Open Access kostengünstig bleibt, ist jetzt noch nicht zu sagen.

          Open-Access-Zeitschriften fehlt bisher das Prestige, um Bibliotheken von den Verlagszeitschriften unabhängig zu machen.

          Man wird die Verlage auch weiterhin brauchen. Die Funktion der Verleger, das Feld der Publikationen zu filtern und in Kooperation mit den Wissenschaftlern Standards zu definieren, kann nicht einfach wegdelegiert werden. Allerdings gilt: Die Monopolisten unter den Verlegern sind gerade dabei, dieses Kooperationsverhältnis zu zerstören. Eine sehr ungute Entwicklung.

          Als Erleichterung für die Verhandlungen mit Großverlagen werden oft National- und Allianzlizenzen ins Spiel gebracht. Was hat es damit auf sich?

          Bei Nationallizenzen verhandelt eine zentrale Stelle wie die DFG die Gebühren für bestimmte Medienangebote aus, die überall gebraucht werden. Bei Allianzlizenzen werden die Medien zentral eingekauft und dezentral von den Universitäten nach Bedarf bezahlt. Beide Modelle sind durchaus eine Option. Das Problem mit den Großverlagen haben ja wirklich alle Universitätsbibliotheken, auch wenn nicht alle so radikale Schritte gehen wie wir. Würden die äußerst mühevollen Einzelverhandlungen der 250 deutschen Hochschulbibliotheken von einer zentralen Institution geführt, die zudem eine viel größere Verhandlungsmacht hätte, würde das alles viel einfacher machen. Es gibt dazu einen Vorstoß in der Hochschulrektorenkonferenz.

          Das Gespräch führte Thomas Thiel.

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