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Ein Zwischenruf : Studiengebühren? Was sonst!

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Die Summe enthält auch das persönliche Jahresbudget eines Professors zur individuellen Verwendung für Dienstreisen, Literatur, Anschaffung technischer Bürogeräte und Einstellung von studentischen Hilfskräften. Dieses ist mittlerweile bei 750 Euro im Jahr angelangt. Das sind 62,50 Euro im Monat. Hier ist endgültig die Grenze der Lächerlichkeit in der „Bildungsrepublik Deutschland“ erreicht.

Was also tun, wenn die öffentliche Hand als Garant einer verbesserten Hochschulfinanzierung weitgehend ausfällt? Die Thematik „Studiengebühren“ muss wieder auf die Agenda der politischen Diskussion - und zwar ganz schnell und ganz oben! Will man die Hochschulstruktur in der derzeitigen Form erhalten und nicht den Kapital freisetzenden Weg der Schließung oder Zusammenlegung von Hochschulen und/oder Fakultäten/Fachbereichen gehen, dann sind Studiengebühren als wichtiger Finanzierungsbeitrag ein naheliegender und unausweichlicher Weg.

Es geht an die Substanz

Es ist jedenfalls keine Alternative, den Hochschulen jedes Jahr neue lähmende Spardiskussionen zuzumuten. In fast allen Organisationen existieren Sparpotentiale, die man heben kann. Auch Hochschulen in den neuen Ländern hatten in den Jahren nach der Wende nach meinem Eindruck einige Reserven. Mittlerweile ist die Fettabsaugung aber nicht nur am Muskel, sondern eher am Knochengerüst angelangt. Der grundständige Lehr- und Studienbetrieb zeigt unübersehbare Auszehrungstendenzen.

Die Thüringer Politik beispielsweise sollte darum die Kraft haben, das Thema „Studiengebühren“ mutig anzugehen. Verantwortungsvolle Politik heißt eben auch, das Notwendige zu tun und nicht nur das, was kurzfristig Beifall und Wählerstimmen verheißt. Die neue Bundesbildungsministerin, Johanna Wanka, wird derzeit häufig mit ihrer Prognose zitiert, dass es im Jahr 2017 überall in Deutschland wieder Studiengebühren geben wird (F.A.Z. vom 19. Februar 2013).

Dabei ist noch nicht einmal ausgemacht, dass die Einführung von Studiengebühren per saldo wirklich Wählerstimmen kostet. Denn ein wichtiger Aspekt ist, dass Nichtakademiker in einem kostenfreien Hochschulsystem über ihre Steuern die Chancen auf ein überdurchschnittliches Lebenseinkommen von Akademikern mitfinanzieren. Eingewandt wird dann immer, dass nach dem Studium die Besserverdienenden über den progressiven Einkommensteuertarif auch an der Finanzierung des Gemeinwesens stärker beteiligt sind. Das Argument ist zweifellos richtig. Allerdings landen diese Steuerzahlungen „irgendwo“, nicht spezifisch an den Hochschulen. Und schon die Chance auf ein überdurchschnittlich hohes Einkommen hat einen ökonomischen Wert, der mit einem angemessenen Preis versehen werden kann. Viele in der Gesellschaft haben diese Chance eines Hochschulzugangs nicht. Sie werden moderate Studiengebühren als gerecht empfinden.

Soeben hat auch eine Studie des „Kronberger Kreises“ moniert, dass die Bildungsfinanzierung in Deutschland „auf dem Kopf“ steht. Bildung im Kindergarten, von der die gesamte Gesellschaft ökonomisch stark profitiert, wird zu einem hohen Anteil privat von den Eltern finanziert. Hochschulbildung, aus der primär der Einzelne hohen ökonomischen Nutzen zieht, ist dagegen kostenfrei. Es müsste genau andersherum sein.

Ein flexibles System ist wichtig

Nun zur Ausgestaltung von Studiengebühren. Offensichtlich kann man sich vielfach nur einen uniformen Betrag von 500 Euro je Semester vorstellen, der von allen Studierenden an allen Hochschulen und in allen Studiengängen gleichermaßen zu entrichten ist. Das System muss auf alle Fälle flexibel angelegt werden. Grundsätzlich sollte jede Hochschule und jeder Fachbereich für sich entscheiden können, ob Studiengebühren erhoben werden sollen oder nicht. Und auch die Höhe muss bis zu einer definierten Obergrenze variabel sein. Gut nachgefragte Studiengänge können so eher mit einem Preis nahe der Höchstgrenze versehen werden; für schwächer nachgefragte Ausbildungsangebote wird man einen tieferen Preis wählen oder im Extremfall auch ganz auf Studiengebühren verzichten.

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