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Digitale Vorgesetzte : Darf mich ein Roboter entlassen?

  • -Aktualisiert am

Wie abschalten? Der Computer Hal 9000 hat sich in Stanley Kubricks „2001 – Odyssee im Weltraum“ selbständig gemacht. Bild: Picture-Alliance

In den Lagerhallen von Hitachi analysieren und optimieren Maschinen als Vorgesetzte die Arbeitsabläufe der Angestellten. Sind Computer in Führungspositionen eine so schlechte Idee?

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          Herr Dzida, der japanische Elektrotechnikkonzern Hitachi setzt Roboter mit künstlicher Intelligenz (KI) als Vorgesetzte ein. Wäre das arbeitsrechtlich auch in Deutschland möglich?

          Ja, ich glaube sogar, dass wir etwas Ähnliches bereits haben. Die Arbeitszuteilung in Amazon-Lagerhäusern macht kein Mensch. Die Arbeiter bekommen Aufträge von einem GPS-betriebenen Gerät: Jetzt musst du dieses Buch oder jene CD suchen!

          Müssen Arbeitnehmer der vorgesetzten Maschine Folge leisten?

          Das Arbeitgeberrecht, Weisungen zu erteilen, üben schon jetzt Programme aus. Etwa, wenn ein Taxifahrer einen Auftrag vom Computer aus der Zentrale bekommt. Diese Praxis wird durch KI sicher komplexere Ebenen erreichen, muss aber immer im Rahmen dessen bleiben, was ein menschlicher Vorgesetzter anweisen darf. Ganz oben im Unternehmen muss immer ein menschlicher Chef für die Anweisungen seiner Programme haften. Diese Verantwortung kann die Geschäftsführung auch nicht auf die Programmierer abwälzen.

          Lagerhallen mit KI-Vorgesetzten sind laut Hitachi um acht Prozent produktiver. Sind rationale Entscheidungen, etwa in Bewerbungsverfahren, immer vorteilhaft?

          Auch wenn sich Programme mit der Beurteilung von emotionaler Intelligenz schwertun werden, kann ich mir vorstellen, dass sie bald Personalentscheidungen treffen werden. Vorausgesetzt, der Computer ist so programmiert, dass er sich an die geltenden Regeln hält, ist das in Ordnung. Er darf aber ebenso wenig wie ein Personaler aus Fleisch und Blut nach Familienplanung oder Vorstrafen fragen.

          Der Anwalt Boris Dzida.

          Darf ein Roboter mich entlassen?

          Nein. Die Kündigung eines Arbeitsverhältnisses bedarf immer der originalen Unterschrift eines echten Menschen. Auch Fax, Mail oder PDF-Dokumente können die Unterschrift mit Tinte oder Kugelschreiber rechtlich nicht ersetzen. Eine Entlassung muss auch künftig von einem berechtigten Vorgesetzten, also dem Geschäftsführer, einem Vorstand oder einem Bevollmächtigten durchgeführt werden.

          Computer wären also die besseren Vorgesetzten?

          Von Vorteil wäre, dass sie ihre Angestellten ausschließlich nach Leistung beurteilen würden. Allerdings würde der Überwachungsdruck steigen, und der Arbeitnehmerdatenschutz würde an Brisanz gewinnen.

          Können Sie sich vorstellen, für einen Chef mit KI zu arbeiten?

          Ebenso wie bei selbst fahrenden Autos möchte ich eingreifen können, bis die Geräte weniger Fehler machen als Menschen. Sobald die Entwicklung so weit ist, hätte ich mit beidem kein Problem.

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