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KI-Forscher Jürgen Schmidhuber : Intelligente Roboter werden vom Leben fasziniert sein

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Ich glaube, dass meine Forschungsgruppe nicht mehr so viele Jahre brauchen wird, um ein System mit den geistigen Fähigkeiten eines Kapuzineräffchens zu erschaffen. Das kann im Prinzip schon alles, was ich kann, nur kann ich mehr davon. Das Äffchen schaut sich um, sieht: Da oben im Baum ist die Frucht. Es lernt aus der Vergangenheit, verschiedene mögliche Zukünfte zu sehen, und versucht, eine herbeizuführen, die gut ist für das kleine Äffchen, nämlich eine, wo die Frucht im eigenen Mund landet. Erst muss es zum Stamm des Baums kommen, dazu gibt es ein bereits erlerntes Unterprogramm zum Laufen, dann muss es ein anderes Unterprogramm aufrufen, zum Klettern, dann eines, das die Frucht greift und dem Mund zuführt - und dann beißt es rein.

Und dabei lernt das Äffchen weiter.

Ja, und gleichzeitig nimmt es durch selektive Aufmerksamkeit seinen sozialen Kontext wahr: Da sind andere Äffchen. Möglicherweise muss es so tun, als gäbe es gar keine Frucht, denn sonst kommen die Wettbewerber. Ich glaube, dass wir in deutlich weniger als zehn Jahren die mentalen Denk- und Abstraktionsfähigkeiten eines Kapuzineräffchens nachbauen werden.

Bis zum Menschen fehlt also noch ein ganzes Stück?

Der Schritt zur menschenähnlichen Intelligenz ist dann nicht mehr riesig. Es hat Milliarden Jahre gedauert, um so ein Äffchen hervorzubringen, danach vergingen nur noch ein paar Millionen Jahre bis zur Entstehung menschlicher Intelligenz. Das ging also plötzlich hundertmal schneller.

Wie stellen Sie sich Ihre eigene Zukunft vor, für den Zeitpunkt . . .

. . . wenn das Kapuzineräffchen so viel gelernt hat, dass es menschenähnlich ist?

Denken Sie darüber nach?

Ja, und es ist mir klar, dass ich kaum prophezeien kann, was dann passiert. Es wird ganz harmlos losgehen, vielleicht mit einem liebenswürdigen künstlichen Lebewesen mit Pelz, die Kinder werden entzückt sein. Ich verwende das Beispiel des Kapuzineräffchens, weil es harmlos wirkt, aber in dem Moment, in dem ich dem Äffchen starke Muskeln gebe, einen Industrieroboter etwa, da kann es ganz erstaunliche Dinge vollbringen. Ein bisschen Phantasie, und man sieht, wie sich das rasch auf alle Lebensbereiche erstrecken wird.

Und das künstliche Lebewesen lernt weiter, stellt sich eigene Fragen?

Auf jeden Fall, genau wie ein Baby das auch schon tut. Jedes Baby hat diese beiden lernenden Module, den Gestalter und das Weltmodell. Während es Bücher herunterschmeißt, lernt es, vorherzusagen, wie sie fallen, welche Geräusche dabei entstehen. Eigentlich ist ein Baby auch ein kleiner Wissenschaftler, denn neugierig und experimentierfreudig stellt es sich Aufgaben, die es aus eigenem Interesse löst.

Worin besteht der Nutzen?

Von künstlicher Neugier getriebene Roboter, die durch Spielen herausfinden, wie man Objekte greift, kann ich für tausend Aufgaben verwenden. Etwa als Erdbeerpflücker. Selbst bei dieser scheinbar stupiden Aufgabe muss ein Roboter erst lernen, wie Erdbeerstauden und Roboterhände funktionieren. Wenn er das verstanden hat, wird er sich neuen Aufgaben widmen wollen. Ich als Nutzer kann seinen Lernprozess dann beenden und sagen: „Jetzt warst du mir lange genug neugierig. Jetzt bist du hundert Jahre lang Erdbeerpflücker.“

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