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Universitätsverformungen : Nie mehr Abbruch

Zwei von fünf Studenten brechen ihr naturwissenschaftliches oder mathematisches Studium ab. Bild: Helmut Fricke

Die Politiker wünschen sich schöne Zahlen, die ihre Versprechen zur Bologna-Reform bestätigen. Jetzt soll sogar eine Höchstquote für Studienabbrecher festgelegt werden. Wohin das führt. Ein Kommentar.

          Die Universitätsreform, die vor gut fünfzehn Jahren unter dem Namen „Bologna-Prozess“ in Gang gesetzt wurde, hat kaum eines ihrer Versprechen gehalten. In Deutschland ging es damals vor allem um die viel zu hohe Zahl an Studienabbrechern und Langzeit-Nichtstudierenden. Die jungen Leute, hieß es unisono seitens der Politik wie der Wirtschaft, kämen viel zu spät an den Arbeitsmarkt, viel zu viele wechselten das Fach oder brächen das Studium ganz ab. Dem sollte durch ein schnelleres und leichteres Erlangen des ersten Zertifikats (Bachelor) abgeholfen werden, durch studienbegleitendes Prüfen (jede Leistung wird bepunktet) und durch straffere Stundenpläne, die idealerweise ein an die Schule erinnerndes jahrgangsweises Vorrücken der Studenten ermöglichen. No student left behind, war das Motto.

          Heute aber verlässt, nach Zahlen des Deutschen Hochschulverbandes, jeder dritte Student vor dem ersten Abschluss die Universität, zwei von fünf, die für Mathematik oder Naturwissenschaften eingeschrieben sind, bleiben ebenfalls ohne Bachelor-Titel. In den Sozialwissenschaften, einschließlich Jura und Ökonomie, schließt jeder Vierte nicht ab. Was tun? Politik bedeutet, sich auf keinen Fall mit den eigenen Entscheidungen blamieren zu wollen. Also müssen die Hochschulen für das Scheitern von Bologna verantwortlich gemacht werden. Man habe, heißt es seit einiger Zeit, wenn die Mängel nicht mehr weggeredet werden können, vielerorts Bologna schlecht umgesetzt. Dass die völlig überflüssigen und noch dazu teuren Akkreditierungsagenturen überall all die Studiengänge offiziell für gut und „studierbar“ befunden haben, die jetzt von so vielen Studenten abgebrochen werden, passt dazu allerdings nicht. Eine nähere Betrachtung der Umstände, unter denen studiert oder abgebrochen wird, scheuen Wissenschafts- und Bildungsminister ohnehin. Dass manche Abbrecher vor der Abschlussprüfung einen Beruf gefunden haben, dass manche ohnehin auf einen Studienplatz in einem anderen Fach gewartet hatten und wieder andere eine falsche Studienwahl korrigieren, interessiert Minister nicht.

          Am Ende käme noch heraus, dass auch das G8 und die Schulpolitik, das Bedürfnis, immer größere Anteile am Jahrgang auf die Universität zu schicken, die zunehmend ungünstigen Betreuungsverhältnisse an den Hochschulen oder die Umstellung auf das Bologna-System mitursächlich für die hässlichen Zahlen sind. Also pocht die Politik darauf, dass schöne Zahlen geliefert werden, jene, die sie vollmundig versprochen hat. Wie das geht? Nichts leichter. Man bindet einfach die Finanzierung der Hochschulen an erwünschte Absolventenzahlen im Regelstudium. In Nordrhein-Westfalen hat das Wissenschaftsministerium, worauf der Hochschulverband hinweist, sogar schon über die Festschreibung von Höchstquoten an Studienabbrechern nachgedacht. Soll heißen: Die Menge der Abschlüsse, die erworben werden sollen, wird politisch beschlossen. Sie entspricht der Zahl neu immatrikulierter Studenten. Die Hochschulen müssen die Bachelor-Urkunden nur noch verteilen. Am besten ginge das, wenn man sie dem Abiturzeugnis beilegte.

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