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Deutscher Grundschulvergleich : Die Zuwanderung macht die Differenz

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Der Anteil von Schülern mit Zuwanderungshintergrund ist in Bremen und Berlin deutlich höher ist als in den anderen Bundesländern

Der Anteil von Schülern mit Zuwanderungshintergrund ist in Bremen und Berlin deutlich höher ist als in den anderen Bundesländern Bild: Nedden, Kai

Was gefehlt hat beim jüngsten Vergleich der Leistungen von Grundschülern ist die Frage, worauf die großen Unterschiede zwischen den Bundesländern denn zurückgehen.

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          Eine jüngst veröffentlichte Studie des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) hat die Leistungen der Viertklässler an deutschen Grundschulen in den Fächern Deutsch (Lesen und Zuhören) und Mathematik gemessen und nach Bundesländern geordnet miteinander verglichen. Wie in früheren Studien stehen wieder die üblichen Verdächtigen vorne und hinten - hier Bayern, dort Bremen und Berlin. Die IQB-Studie hat die Leistungen der Grundschüler mit Hilfe von eindimensionalen Maßen erfasst und so skaliert, dass sich im gesamtdeutschen Durchschnitt ein Mittelwert von 500 Punkten ergibt.

          Die Durchschnittswerte der einzelnen Bundesländer liegen dabei im Lesen zwischen 463 (Bremen) und 515 (Bayern), im Zuhören zwischen 467 (Bremen) und 513 (Bayern) und im Rechnen zwischen 451 (Berlin) und 519 (Bayern). Zur Erklärung der Unterschiede zwischen den Bundesländern betrachtet die IQB-Studie eine Reihe von Bildungsparametern wie beispielsweise das Einschulungsalter der Kinder, die Zahl der Unterrichtsstunden in den berücksichtigten Fächern, das Alter der Lehrer und die jährlichen Weiterbildungen, an denen die Lehrer teilgenommen haben. Zwar weisen die Bundesländer untereinander eine gewisse Variation in diesen Parametern auf.

          Das spezielle Herkunftsland spielt eine Rolle

          Sie scheinen aber nicht systematisch mit den gemessenen Leistungsunterschieden zu variieren. Insbesondere die Spitzengruppe und die Schlusslichter unterscheiden sich in diesen Parametern nicht auffällig. Wohl auch deshalb lässt sich etwa die Vizevorsitzende der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft, Marianne Demmer, damit zitieren, die Gründe für die Leistungsunterschiede zwischen den Bundesländern seien auch nach der IQB-Studie „ein Buch mit sieben Siegeln“. Freilich öffnet die IQB-Studie zumindest einige dieser Siegel.

          Die Studie zeigt, dass Kinder mit Zuwanderungshintergrund im Durchschnitt deutlich schlechter abschneiden als Kinder mit deutschen Eltern und dass der Anteil von Kindern mit Zuwanderungshintergrund in Bremen und Berlin deutlich höher ist als in den anderen Bundesländern. Die Studie zeigt außerdem, dass nicht der Zuwanderungshintergrund per se ein schlechteres Abschneiden in den gemessenen Kompetenzen erklärt. Vielmehr spielt das spezielle Herkunftsland eine entscheidende Rolle.

          Die Studie unterscheidet beim Herkunftsland zwischen der Türkei, der ehemaligen Sowjetunion, Polen, dem ehemaligen Jugoslawien und der Gruppe der anderen Länder und zeigt, dass Kinder mit einer türkischen Herkunft im Durchschnitt die schlechtesten Ergebnisse erzielt haben. Leider betrachtet die Studie den Effekt des spezifischen Zuwanderungshintergrunds auf die Schulleistungen nicht nach Bundesländern differenziert, sondern nur für Deutschland insgesamt. Grund dafür sind wohl die zu geringen Fallzahlen auf der Bundeslandebene in der erhobenen Stichprobe.

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