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Der Bachelor im Test (5): Journalistik : Fachhochschule für Kanalarbeiter

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Machte auch ohne Studium in Dortmund Karriere beim „Grevenbroicher Tagblatt”: Horst Schlämmer Bild: picture-alliance/ dpa

Die Sachkenntnis kommt übers Zweitfach, die Medientheorie nur übers Selbststudium: An der Technischen Universität Dortmund kann man einen Bachelor in Journalistik erwerben. Eine gute Vorbereitung auf das Arbeitsleben?

          7 Min.

          „Etwas mit Medien“ - dieser Halbsatz ist sehr oft zu hören, wenn Abiturienten nach ihren Berufswünschen gefragt werden. Die Studienreform von Bologna hat es als ihr Ziel erklärt, nach sechs Semestern zum ersten berufsqualifizierenden Abschluss zu führen. Innerhalb unserer Serie, in der Anspruch und Wirklichkeit des Bachelor-Studiums vor Ort besichtigt werden sollen, lag darum nichts näher als der Besuch bei einem Studiengang, der die Qualifikation zum Journalisten in Aussicht stellt.

          Um kurz nach sechs schreit mich der Wecker an: Genug geschlafen, was ein Student sein will. Auch wenn ich das keineswegs sein will, schon gar nicht um kurz nach sechs. Aber für einen Tag ist mir aufgegeben, baccalaureatischen Elan zu simulieren. Diesmal steht der zu diesem Semester frisch eingerichtete Bachelor-Studiengang „Journalistik“ des renommierten Instituts für Journalistik an der noch frischer - am 1. November - zur Technischen Universität umbenannten Dortmunder Universität auf dem Programm. Alle Studiengänge sind in Dortmund inzwischen auf Bachelor und Master umgestellt, auch die Lehramtsausbildung. Klarere Strukturen und vergleichbare Leistungen sollen die Studenten besser als bislang für den europäischen Arbeitsmarkt präparieren. Was und wie man nun lernt, das möchte ich mir aus der Nähe ansehen.

          Generellen Vorbehalten gegenüber einem Journalistikstudium steht zunächst einmal Empirie entgegen: Zahlreiche Medienarbeiter vor allem in der Rhein-Region haben den Dortmunder Vorgänger-Studiengang zum Diplom-Journalisten durchlaufen. Begründet wurde die universitäre Journalistenausbildung bereits im Jahre 1976 in Kooperation mit Verlagen, Rundfunkanstalten, Gewerkschaften und Unternehmensverbänden. Von Beginn an ergänzte die theoretische Ausbildung eine praktische Schulung in einem Medienbetrieb. Das hat sich unter Bachelor-Bedingungen nicht geändert: Die neue Regelstudienzeit von acht Semestern (17 Module, 240 Credit Points) schließt ein zwölfmonatiges, integriertes Volontariat (60 Credits) im dritten Studienjahr ein. Auf die Abschlussarbeit entfallen 15 Credits: Die Gewichtung ist deutlich.

          Studium Generale

          „Der Schwerpunkt liegt auf einer breitgefächerten Qualifizierung“, heißt es auf der Homepage des Instituts. So wird neben journalistisch-praktischen und medienwissenschaftlichen Fähigkeiten auch gesellschaftswissenschaftliches, juristisches und ökonomisches Basiswissen vermittelt. Die Wissenschaftsjournalisten - ein eigener Bachelor - haben zudem noch zahlreiche naturwissenschaftliche Seminare zu absolvieren. Ganz abwegig ist die Vorstellung also nicht, dass hier Spezialisten für Allgemeinwissen herangebildet werden. Wenn sich auf diese Weise durch die Hintertür ein Studium Generale ins totmodularisierte Universitätsuniversum eingeschlichen haben sollte, wäre das aber durchaus sympathisch.

          Am besten erreicht man den Dortmunder Campus mit der S-Bahn oder mit dem Hubschrauber. An diesem Morgen beliebt es just jener Bahn, die ich in Bochum erwischen wollte, betriebsbedingt auszufallen. Bereits am Bahnsteig dreht sich alles um die Folgen des Bologna-Prozesses, den wohl nur selten jemand verteidigt. „Ich wäre lieber kein Bachelor“, sagt eine Lehramtsstudentin zu ihren Bekannten. An diesem Tag komme sie um einundzwanzig Uhr nach Hause, und am nächsten Morgen müsse sie um zwanzig nach fünf wieder raus. Meine Bedingungen jedenfalls scheinen authentisch zu sein. Auf dem Universitätsgelände selbst - ich befolge die Angaben der Instituts-Homepage - bringt mich eine kuriose Schwebebahn zum Süd-Campus. Ein Student erzählt, er habe endlich einen Nachtschichtjob gefunden. Wie robust muss man eigentlich sein, um heute studieren zu können?

          Wieder in der Schule

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