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Der Bachelor im Test (4): „Master of Education“ : Kinderkrankheiten künftiger Lehrer

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Ob die Frau Lehrerin auch „Master of Education” ist? Bild: picture-alliance/ dpa

Einheitlicher, praktischer, schneller und besser: Der Master of Education soll viele Ansprüche zugleich erfüllen. An der Ruhr-Universität-Bochum endete kürzlich der erste Testlauf. Teil vier unserer Serie über die Qualität des Bachelor-Studiums.

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          Zu den schwierigen Fällen der Bologneser Hochschulreform gehören Fächer, die mit einem Staatsexamen abschließen. Von einem Bachelor lasse er sich nicht operieren, meinte einst Hochschulrektor Klaus Landfried. Von einem Bachelor die eigenen Kinder unterrichten zu lassen, davor scheuen auch die Verantwortlichen für die Lehrerausbildung zurück. In unserer Serie schauen wir deshalb heute auf den „Master of Education“. (F.A.Z.)

          Bochum: Am Haupteingang von Deutschlands größter Campus-Uni werden wir von der U-Bahn ausgespuckt und übergangslos in das hochschulinterne Farbleitsystem eingespeist. Das Gebäude der Medizin ist rot angestrichen, Grün steht für die Naturwissenschaften, die Ingenieurwissenschaften sind blau, während die Bibliothek in Orange gehalten ist. Folgen wir den Wegweisern, die mit bunten Arme rundherum im trüben Herbsthimmel stochern, zum gelben Gebäude der Geisteswissenschaften. Hier kann man die angehenden Lehrer treffen, die den deutschen Schülern künftig zu besseren Pisa-Testergebnissen verhelfen sollen. Erst 2002/03 wurde hier das Lehramtsstudium im Sinne des Bologna-Prozesses in zwei Phasen aufgespaltet.

          Einig sind sich die Kultusministerkonferenz und die Hochschulen darin, dass die Lehrerausbildung kürzer, praktischer und bundesweit einheitlich werden muss. Von Einheitlichkeit ist allerdings nur die Rede. Denn jedes Land entscheidet selbst, ob es das alte Lehramtsstudium mit erstem Staatsexamen zugunsten des zweistufigen Bologna-Modells mit Master-Abschluss abschaffen will. Und, wenn es denn will, ob es die Studenten bereits während des Bachelor-Studiums mit fachdidaktischen Überlegungen vertraut macht oder erst in der Masterphase.

          Brutstätte für Bachelors: die Ruhr-Universität Bochum

          Dichtgedrängtes Curriculum

          An der Ruhr Universität Bochum (RUB) testet man derweil die zweite Variante, die den Stoff und die Theorie seiner Vermittlung säuberlich voneinander scheidet: in das Bachelor-Studium, das sechs Semester für den Erwerb ausschließlich fachwissenschaftlichen Wissens vorsieht, und den viersemestrigen Master-of-Education-Studiengang, in den die Didaktik ausgelagert wurde. Die Vorhut der ersten Bochumer Kohorte hat sich bereits durch das dichtgedrängte Curriculum gekämpft. Im Sommer wurde die erste Studentin mit einem „M.Ed.“ statt dem Ersten Staatsexamen ins Referendariat entlassen.

          Wolfgang Boettcher, Professor für germanistische Linguistik und Sprachdidaktik an der RUB, war maßgeblich an der Ausarbeitung der neuen Studienordnung beteiligt. Er ist ein unbedingter Verfechter des Zwei-Phasen-Studiums. Zum einen erlaube es den Studenten, ihre Berufspläne etappenweise zu formulieren. So müssten sie nicht unmittelbar nach dem Abitur beginnen, sich auf die Rückkehr in die Schule, die sie doch kaum verlassen hätten, vorzubereiten.

          Hohe Abbrecherquote

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