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Unternehmerische Universität : Wissensfabriken sind keine Wurstfabriken

  • -Aktualisiert am

Attikafiguren auf einem Seitenflügel der Berliner Humboldt-Universität Bild: dpa

Universitäten sollen heute wie Unternehmen geführt werden. Dagegen ist im Prinzip nichts einzuwenden. Das Vorbild darf aber nicht das produzierende Gewerbe sein.

          Es war einmal eine Universität, in der waren die Studenten frech, die Professoren faul und der Rektor ein besserer Grüßaugust. Lange hat man diese Universität gewähren lassen, aber irgendwann gefiel sie niemandem mehr. Wieso, wurde gefragt, kann die Universität nicht sein wie ein Unternehmen, mit zufriedenen Kunden, fleißigen Mitarbeitern und einem Chef, auf den alles hört? So entstand die Idee der unternehmerischen Universität. Der Rektor avancierte zu einem mächtigen Hochschulmanager, Professoren half man mit Leistungsanreizen auf die Sprünge, und aus Studenten wurden Kunden, von der Idee her sogar zufriedene.

          Die unternehmerische Universität war der Versuch, in der Privatwirtschaft bewährte Organisationsstrukturen auf die Hochschule zu übertragen. Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Hat sich ein Modell im offenen Wettbewerb als erfolgreich erwiesen, mag es für andere als Vorbild taugen. Wenn es denn für den Bereich, auf den es übertragen werden soll, ein passendes Modell ist. Hier liegt das fundamentale Problem der unternehmerischen Universität. Das Konzept passt nicht auf die Hochschulen.

          Die Idee der unternehmerischen Universität orientiert sich an Organisationsformen aus dem produzierenden Gewerbe. Sie geht davon aus, dass sich eine Universität ähnlich wie ein Automobilunternehmen oder eine Lebensmittelfabrik organisieren lässt. Hätte es bei der Suche nach Vorbildern nicht näher gelegen, sich an den Anbietern aus dem privatwirtschaftlichen Bildungs- und Wissenssektors zu orientieren? Vielleicht wäre dann aufgefallen, dass Ingenieurbüros, Ärztegemeinschaften oder Anwaltskanzleien eher dezentrale Organisationsformen aufweisen, dass sie von „Peers“ geführt werden, also von Experten auf dem jeweiligen Gebiet, und dass die Aussicht, zu dieser Gruppe zu gehören, einen starken Anreiz bietet, Expertenwissen zu erwerben. Vielleicht hätte man auch bemerkt, dass private Dienstleister im Bildungs- und Wissensbereich eher partnerschaftlich organisiert sind und nicht hierarchisch-zentral wie Produktionsunternehmen.

          Falsche Anreize

          Die Orientierung am produzierenden Gewerbe hat zu einer Reihe von Missverständnissen geführt, die Universitäten schwächen. Zwei seien hier beispielhaft genannt: erstens die Vorstellung, das Verhältnis von Wissenschaftlern und Universitätsleitungen gleiche einer Prinzipal-Agenten-Beziehung, zweitens das Vorurteil, Größe sei per se gut. Die Organisation von Produktionsunternehmen folgt dem Corporate-Governance-Modell, zu dessen Kern die Prinzipal-Agenten-Theorie gehört. Dieses Modell geht von einem Informationskonflikt zwischen Unternehmenseignern und Mitarbeitern aus. Weil der Prinzipal (Unternehmenseigner) das Verhalten der Agenten (Mitarbeiter) nicht beobachten kann und diese dazu neigen, den Informationsvorsprung für ihre Zwecke auszunutzen, werden sie mit speziellen Anreizen dazu gebracht, das Gewinnziel des Prinzipals trotzdem zu verfolgen.

          Wo findet sich aber ein solcher Konflikt in der Universität? Wer sich für die Wissenschaft entscheidet, tut das meist, um die Grenzen seines Wissens zu erweitern oder andere an die Grenzen des Wissens heranzuführen. Zwar können Laien in der Regel nicht beobachten, ob und wie viel Energie Wissenschaftler für diese Aufgaben aufbringen. Das generell hohe Maß an Eigenmotivation im Wissenschaftsbetrieb, die wechselseitige Kontrolle durch Peers und das Streben nach wissenschaftlicher Reputation stellen jedoch sicher, dass sich Wissenschaftler den Aufgaben widmen, die ihnen die Gesellschaft anvertraut. Spezielle monetäre Anreizmechanismen braucht es dafür nicht. Entscheidend ist vielmehr, dass nur jene Personen in der Wissenschaft bleiben, die sich von solchen Motiven leiten lassen und entsprechende Standards erfüllen.

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