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Positive Diskriminierung : Buntheit ist unbesehen pädagogisch wertvoll

Universitäten als Labore sozialer Experimente

Warum muss die Universität bei der Vergabe der frei zu besetzenden Plätze die Rasse der Kandidaten überhaupt in Betracht ziehen, wenn ihr Ziel Vielfalt im Sinne der Anwesenheit einer gewissen Zahl von Schwarzen auf dem Campus ist? Dieses Ziel wird durch die Studienplatzgarantie für das beste Zehntel der Absolventen jeder Highschool schon erreicht. Alito zitiert aus den Schriftsätzen der Universität das Argument, dass von diesem gesetzlichen Programm die Kinder der schwarzen Mittelschicht nicht profitierten, die als Brückenbauer zwischen den Rassen besonders gut geeignet seien, da sie Stereotype widerlegten.

Wie Alito festhält, bestätigt die Universität damit ein böses Stereotyp über die Absolventen der überwiegend von Minderheiten beschickten Schulen: dass sie nichts Ordentliches geleistet hätten, weil sie sich nicht mit Weißen hätten messen müssen. Verklausuliert ermuntert Kennedy die Universität, im Teich der wohlhabenden Minderheitsfamilien zu fischen, wenn er feststellt, die Verfassung zwinge die Hochschulen nicht, zwischen einer vielfältigen Studentenschaft und dem Ruf akademischer Exzellenz zu wählen.

Kennedy will die Universität nicht förmlich von der Rechenschaft über ihre Auswahlentscheidungen entlasten. Pathetisch postuliert er, sie habe zum Thema Rassenintegration etwas „zu lernen und zu lehren“. Mit einem Zitat von Louis Brandeis, einem Heros der liberalen Richtertradition, erklärt er die Universitäten zu Laboren sozialer Experimente. Hochschulen wie der University of Texas mangelt es aber in eigener Sache an Experimentierfreude. Sie wollen Praktiken bewahren, die sie für bewährt halten, und empfinden Transparenz als lästig. Der richterliche Ruf nach Experimenten ist in dieser Lage nur die Ankündigung fortgesetzter Rechtsunsicherheit.

Als Bannerträgerin der Mittelmäßigen verspottet

Mit einem Zitat aus einem Urteil von 1950 beschwört Kennedy die ungreifbaren Eigenschaften einer Universität, „die objektiver Messung nicht zugänglich sind, aber Größe ausmachen“. Das Urteil, das ebenfalls die University of Texas betraf, zählte einige dieser Eigenschaften auf: Reputation des Lehrkörpers, Einfluss der Alumni, Tradition und Prestige. Die Universität wurde damals verpflichtet, einen schwarzen Bewerber zum Jurastudium zuzulassen, da die vom Staat Texas eingerichtete parallele Law School für Schwarze selbst bei objektiv gleicher Ausstattung keine gleichwertige Ausbildung hätte bieten können.

Ein Studium im Kreis handverlesener Kommilitonen verschafft Lebensvorteile. Auch die scheinbar nicht bezifferbaren Erträge akademischer Sozialisation wollte das Gericht 1950 den Maßstäben rechtsstaatlicher Verteilungsgerechtigkeit unterwerfen. Mit denselben Wendungen räumt Kennedy heute den Hochschulbeamten das Recht ein, sich eine Studentenschaft nach ihrem Geschmack zusammenzustellen. Abigail Fisher, im Internet als Bannerträgerin der Mittelmäßigen verspottet, passte nicht nach Austin.

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