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„Academic Stand Against Poverty“ : Was ist Armut, und wie effizient ist Hilfe?

  • -Aktualisiert am

Mit der Zusammenführung verschiedener Wissenschaftler und konkreten Reformvorschläge will die ASAP der Armut entgegenwirken. Bild: picture alliance / dpa

Auf einen Euro an Entwicklungshilfe kommen zehn Euro, die in Form illegaler Vermögen in die Erste Welt zurückfließen. Eine Forscherinitiative zur globalen Armut will solche Tatbestände besser begreifen.

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          Die Millenniumsziele der Vereinten Nationen werden verfehlt. Der darin angestrebte Sieg über die globale Armut scheint in weite Ferne gerückt. ASAP nennt sich eine neue Initiative, die nun Ressourcen und Ideen von Akademikern im Kampf gegen Armut bündeln möchte und auch in Deutschland aktiv wird. Das Akronym steht für „Academic Stand Against Poverty“ - im Englischen ist es zugleich Kürzel für die Dringlichkeitsformel „as soon as possible“.

          Die Akademiker gegen Armut haben sich drei Ziele gesetzt. Erstens soll die Forschung zum Thema Armut besser vernetzt werden. Denn Armut ist Vergleichsbegriff, man kann über sie nicht forschen, ohne zu fragen, was andernorts unter ihr verstanden wird. Außerdem steht das Phänomen quer zu disziplinären Einteilungen: Ökonomie, Recht, Soziologie, Psychologie, Stadtforschung und Medizin - es gibt kaum ein Fach, das nichts zu sozialen Mangelerscheinungen beizutragen hätte.

          ASAP will darum Wissenschaftler aus verschiedenen Orten und Disziplinen zusammenbringen. Zweitens sollen Lösungsvorschläge einer breiten Öffentlichkeit außerhalb der Universitäten vorgestellt werden. Drittens will ASAP konkrete Reformvorschläge formulieren und mit Hilfe von Partnern in Politik und NGOs direkt intervenieren.

          Eine vielversprechende Idee

          Ursprünglich stammt die Idee aus den Vereinigten Staaten. Dort wurde der Aufbau von ASAP maßgeblich von Thomas Pogge, Professor für Politische Theorie in Yale, gestützt. Pogge ist auch Mitbegründer des „Health Impact Fund“, eines Projekts, das beispielhaft für den Ansatz von ASAP steht.

          Die Ausgangssituation: Es gibt zahlreiche Krankheiten, gegen die keine Medikamente existieren, da die Betroffenen so arm sind, dass sich die Entwicklung für Pharmafirmen nicht rechnen würde. Die Idee: Ein Gesundheitsfonds, aus dem die gezielte Entwicklung neuer Medikamente prämiert wird, die dann zum Produktionspreis verkauft werden, könnte Abhilfe schaffen. Der Vorteil: Statt in die Bekämpfung der Symptome von Krankheiten würden Hilfsgelder in einem solchen Fonds effizienter und nachhaltiger wirken.

          Das Konzept wurde bisher noch nicht umgesetzt, wohl aber erfolgreich in die Öffentlichkeit getragen. Die Nobelpreisträger Amartya Sen und Kenneth J. Arrow zählen zu den Unterstützern, eine Expertengruppe der Weltgesundheitsorganisation lobte die Idee als „vielversprechend“. In Deutschland hat die SPD den Health Impact Fund auf ihre Agenda gesetzt.

          Korruption, Verbrechen und Steuerhinterziehung

          Die Projekte, mit denen sich ASAP in Deutschland beschäftigt, zielen ebenfalls auf die Wurzeln der Not und sind auf eine langfristige Wirkung ausgelegt. Es gehe darum, die Hintergrundstrukturen zu reformieren, sagt Henning Hahn, Mitinitiator und Philosophiedozent aus Kassel. Die Themen der einzelnen Arbeitsgruppen klingen mitunter abstrakt. Ethische Finanzanlagen, Kapitalflucht - diese Phänomene lassen sich nicht so dramatisch bebildern wie Hungersnöte und geraten daher in Medien und Öffentlichkeit häufig in den Hintergrund.

          Zu Unrecht, wie Hahn meint, denn die Dimension der Kapitalflucht beispielsweise sei enorm. Er verweist auf Experten der Gruppe „Global Financial Integrity“, die schätzen, dass für jeden Euro Entwicklungshilfe mindestens zehn Euro in Form illegaler Vermögen in die Industrieländer zurückfließen. Korruption, Verbrechen und Steuerhinterziehung sind die Quellen dieser Reichtümer, die dann im sicheren Westen geparkt werden.

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