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„Academic Stand Against Poverty“ : Was ist Armut, und wie effizient ist Hilfe?

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Nur selten, etwa nach dem Sturz des Diktators Muammar al-Gaddafi, werden diese Fälle öffentlich. Illegale Finanzströme hemmen die Entwicklung zum Rechtsstaat doppelt. Zum einen entziehen sie der Wirtschaft wichtige Investitionsmittel, zum anderen bieten sie den Mächtigen einen Anreiz zur Plünderung des eigenen Staates. Eine Verschärfung internationaler Regeln könnte hier ein mächtiger Hebel sein.

Keine Entwürdigung, sondern Motivation

Es gibt andere innovative Gruppen, die mit wissenschaftlicher Rigorosität den Kampf gegen Armut voranbringen wollen. „GiveWell“ ist nur ein Beispiel. Die amerikanische NGO ermittelt in komplexen Studien die Effizienz einzelner Hilfsorganisationen und gibt Spendern auf dieser Grundlage Empfehlungen.

Was ASAP hervorhebt ist die Kombination aus weltanschaulicher wie inhaltlicher Offenheit, einer stark politischen Ausrichtung und dem Übertreten klassischer disziplinärer Grenzen. Im Rahmen eines „Global Colleagues Program“ etwa will ASAP Forschungspartnerschaften zwischen einzelnen Wissenschaftlern aus der nördlichen und südlichen Welt vermitteln.

Ökonomen, politische Philosophen, eine Literaturwissenschaftlerin - die fachliche Kompetenz bei ASAP ist breit gestreut. „Die anderen arbeiten mit den harten Fakten, bei mir geht es eher um das Konstruktive und Diskursive“, sagt Elke Brüns. Die Privatdozentin forscht seit zehn Jahren zur Repräsentation von Armut in der Literatur. Eine Perspektive, die im Vergleich zu den juristischen Erwägungen auf den ersten Blick von geringer pragmatischer Relevanz scheint.

Der Politikwissenschaftler Robert Lepenies (Florenz), der sich wie Brüns bei ASAP engagiert, wirbt da für den zweiten Blick. „Wie kann man Armut darstellen, ohne arme Menschen zu entwürdigen, und gleichzeitig Gutgestellte dazu motivieren, sich für das Thema einzusetzen? Diese Frage ist sehr zentral“, betont Lepenies.

Verantwortung als Vorreiter

ASAP hat sich seit 2009 in den Vereinigten Staaten als Initiative mit globalem Anspruch entwickelt. Mittlerweile gibt es in sechs Ländern regionale Gruppen. Der deutsche Ableger wurde Ende Januar im Rahmen einer Konferenz an der Freien Universität Berlin gegründet. Vierzig fortgeschrittene Studenten, Doktoranten und Wissenschaftler tragen die Initiative. Noch steckt das Projekt in der Aufbauphase: Der Verein wird gerade etabliert, eine Website ist in Arbeit, die Arbeitsgruppen formieren sich. Ein mittelfristiges Ziel ist die Gründung studentischer Gruppen an einzelnen Universitäten.

Entsteht da ein exklusiver Akademikerklub mit dem Abitur als Zulassungsvoraussetzung? „In der Satzung steht das nicht“, sagt Hahn. Aber er nimmt die Frage ernst. Es gehe nicht darum, als Akademiker eine besondere Exklusivität zu beanspruchen. Aber während viele Gruppen Armut allgemein bekämpfen wollten, sei ASAP auf die Bereiche ausgerichtet, zu denen speziell Wissenschaftler beitragen könnten.

„Wir betreiben die Forschung, wir sind als öffentliche Experten gefragt, wir sind Lehrer“, sagt Hahn. Die privilegierte soziale Stellung und die akademische Freiheit sehen Hahn und seine Mitstreiter vor allem als Verantwortung dafür, im Kampf gegen Armut eine Vorreiterrolle einzunehmen. Ob dies mit einer ehrenamtlich getragenen Initiative wie ASAP gelingen kann, muss sich nun zeigen.

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