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Forschung : James Bond kommt aus Wattenscheid

  • -Aktualisiert am

Ein Kind des Ruhrpotts Bild: United Artists

„Wollz wat auffe Fresse?“ Daß ihr Held eine deutsche Vergangenheit hat, gilt vielen Internet-Bondianern als Faktum. Bond-Erfinder Ian Fleming selbst, so heißt es, habe seinen Spion als gebürtigen Wattenscheider angelegt.

          „Na, wie soll das Kind denn heißen?" fragt der Standesbeamte im Rathaus zu Wattenscheid. Die Antwort, militärisch knapp: "James. James Bond."

          Nach Erledigung der Formalitäten deutet Brigadegeneral Andrew Bond eine Verbeugung an, fährt zu seiner Villa und widmet sich wieder seiner Mission, der Zerschlagung des Krupp-Konzerns. So könnte sich die Szene abgespielt haben. Sicher ist dagegen, soweit sich das bei fiktiven Geheimdienstlern überhaupt sagen läßt: Commander Bond wurde am 11. November 1920 in Wattenscheid geboren, hat in den ersten fünf Jahren seines Lebens Ruhrpott-Luft geatmet und sprach besser Deutsch als Englisch. Obwohl zeitweise zu dick, weil gefräßig, hatte er die Lizenz zum Hauen und stellte böse Buben seiner Wattenscheider Welt gerne zum Kampf. Vermutlich etwa so: "Wollz wat auffe Fresse?"

          Geheimnis der Geburt

          Daß ihr Held eine deutsche Vergangenheit hat, gilt vielen Internet-Bondianern auf der ganzen Welt als Faktum. Sie beziehen sich auf das 1973 erschienene Werk "James Bond - the Authorized Biography of 007". Deren Autor John Pearson, Journalist und Schriftsteller, war Mitarbeiter und Freund des 1964 gestorbenen Bond-Erfinders Ian Fleming; die Biographie zehrt weitgehend von Randepisoden aus den 007-Romanen. Von Bonds Geburt ist dort indes keine Rede.

          Warum also Wattenscheid? Nach einem Tag Bedenkzeit sagt der heute zweiundsiebzigjährige Pearson im Gespräch: "Ich habe mir das Gehirn zermartert - ich kann mich nicht genau erinnern. Aber ich bin sicher, daß das von Fleming selbst kam." Pearson denkt dabei an einen "sehr beschwingten" Lunch Ende der fünfziger Jahre: "Da haben wir intensiv über Bond gesprochen. Fleming hatte genug von ihm und wollte ihn am liebsten sterben lassen. Aber dann war ,From Russia With Love' so ein Erfolg, daß er weitermachen mußte."

          Gebürtiger Kraut

          Nach Flemings Tod schrieb Pearson 1966 eine seriöse Biographie des Freundes, die vor kurzem neu aufgelegt wurde. Die Bond-Biographie sei eher ein Scherz gewesen: "Das wurde nicht so furchtbar ernst genommen." So habe auch niemand dagegen protestiert, daß Britanniens 007 ausgerechnet in Deutschland geboren sein sollte. Bond selbst allerdings erzählte seinem Biographen vorbeugend, er möge die Deutschen nicht besonders. Ein "gebürtiger Kraut" zu sein habe anfangs seine Karriere behindert. Überhaupt habe Mutter Monique ihn in ihrer Schweizer Heimat zur Welt bringen wollen, nur ein Eisenbahnerstreik habe das vereitelt.

          Mit Details nahm Bond es nicht genau: Den Eisenbahnerstreik gab es damals im Revier sowenig wie eine Besatzungsbehörde, für die Vater Bond den Krupp-Konzern hätte zerschlagen können. Der deutsche Fleck in Bonds Vita war bisher esoterisches Expertenwissen; von den Fan-Websites breitet sich die Kunde nun auch unter gewöhnlichen Kinogängern aus. Auch in Wattenscheid weiß man vom verlorenen Sohn. Doch obwohl dergleichen sonst im komplexbeladenen Ruhrgebiet schnell imagefördernd verwurstet wird, tut sich in Sachen Bond noch nichts. Dabei wäre ein Drehbuch für "Bond kehrt heim" schnell geschrieben: Irakfreundlicher Schurke will aus Schächten der stillgelegten Zeche "Wilhelm" Raketen gen Washington feuern. Bond reist an, spannt Finsterling die Freundin ("Perle") aus und läßt die Zeche in letzter Sekunde mit Mann und Maus absaufen. Fertig. Wir wissen ja jetzt: Bond könnte sich im Revier unerkannt bewegen, vorausgesetzt, 007 bestellt am Tresen keinen geschüttelten Martini, sondern ein Bier, korrekterweise "ein lecker klein Pilsken".

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