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Missverständliche Emojis : So war das doch nicht gemeint

Erstaunliche Vielfalt: So unterschiedlich wird das Standardzeichen U+1F601 von den einzelnen Anbietern dargestellt. Bild: Emojipedia.com

Wer jedes Missverständnis vermeiden will, hängt heutzutage Emojis an seine Kurznachrichten. Jetzt warnen Forscher vor der Uneindeutigkeit der grinsenden, zwinkernden Gesichter.

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          Im Oktober 2010, ein Jahr nach den altägyptischen Hieroglyphen und gemeinsam mit den Zeichen der altindischen Brahmi-Schrift, sind die Emojis in den internationalen Zeichenstandard Unicode aufgenommen worden. Seither grüßen, grinsen und zwinkern sie uns aus allen erdenklichen Online-Botschaften entgegen: Die Unbedarften verwenden sie mit kindlichem Vergnügen; die Spielverderber, die auch von den noch aus Interpunktionszeichen zusammengesetzten Emoticons schon nicht viel gehalten hatten, können sich jetzt immerhin in ihrem Kulturpessimismus gestärkt sehen; die Bedächtigen sind froh, noch einmal deutlich machen zu können, wie ihre Nachricht zu verstehen sei, statt wie bislang Sorgen haben zu müssen, ihre Ironie, echte Begeisterung oder Anteilnahme könnten missverstanden werden.

          Jetzt war einerlei Sprache unter ihnen allen, könnte man meinen, dies ist der Anfang ihres Tuns: Nun wird ihnen nichts mehr verwehrt werden können von allem, was sie sich vorgenommen haben zu tun. Mit diesen Worten kommentiert Gott in 1. Mose 11 den Turmbau zu Babel, durchaus skeptisch, wie wir uns erinnern. Um kurz darauf herniederzufahren und die Sprache zu verwirren.

          Wer meint, in unserer heutigen Welt hätten die Emojis das ihre getan, um die letzten Reste möglicher Missverständnisse auszuräumen, hat seine Rechnung ohne die kultisch verehrten IT-Konzerne gemacht, die flugs ihre eigenen Varianten der gemeinsamen Zeichen entwickelt haben, ein jeder nach seiner Art. Jetzt haben Forscher der Universität von Minnesota über dreihundert Probanden gebeten, die Emojis von Apple, Google, Microsoft, Samsung und anderen zu deuten. Wer bislang glaubte, einer Kurznachricht mit einem Gesicht Eindeutigkeit verleihen zu können, steht staunend vor der Vielfalt Deutungen und Erscheinungen.

          Geht es ihm auch gut? An Microsofts Darstellung von U+1F606 scheiden sich die Geister.
          Geht es ihm auch gut? An Microsofts Darstellung von U+1F606 scheiden sich die Geister. : Bild: Emojipedia.com

          Schon an Emojis aus einer einzigen Plattform scheiden sich die Geister, haben die Wissenschaftler herausgefunden: Hier nimmt Microsofts Darstellung von U+1F606 („lächelndes Gesicht mit offenem Mund und fest geschlossenen Augen“) den Spitzenplatz der Mehrdeutigkeit ein. 44 Prozent der Befragten ordneten dem Bild negative, gerade einmal 54 Prozent positive Gefühle zu.

          Zähne zeigen: Apples Variante von U+1F601 hat etwas Verbissenes.
          Zähne zeigen: Apples Variante von U+1F601 hat etwas Verbissenes. : Bild: Emojipedia.com

          Während Samsung bei U+1F601 ein Grinsgesicht gar mit vor Eifer geröteten Wangen versieht, schafft es dasselbe Zeichen bei Apple nicht einmal, die Mundwinkel nach oben zu ziehen. Als „kampfbereit“ oder „verbissen“ wird es folglich von den Probanden beschrieben: Wer mit ihm eine Nachricht wie „Ich habe es geschafft“ versieht, muss damit rechnen, von iPhone-Besitzern getröstet statt bejubelt zu werden.

          Apples Variante von U+1F483 zeigt eine Tänzerin.
          Apples Variante von U+1F483 zeigt eine Tänzerin. : Bild: Emojipedia.com

          Noch riskanter ist der Einsatz des Zeichens U+1F483: Was iPhone-Nutzern als Salsa tanzende Frau angezeigt wird, müssen Samsung-Nutzer für einen jubelnden Jungen halten, während Googles Android-Version 6.0.1 das Emoji als eine Art entrückter Kartoffel mit Rose im Mund darstellt.

          Google hat sich für eine Kartoffel entschieden.
          Google hat sich für eine Kartoffel entschieden. : Bild: Emojipedia.com

          Wer seine Einladung zum Tanz in den Mai mit diesem Zeichen versieht, gibt Vorstellung und Verlauf des Abends in die Hände des Schicksals.

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