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Flugtechnik im Museum : Vom Umgang mit Krieg und Frieden

Nur Fliegen ist noch schöner: Ein strategischer Höhenaufklärungs-Jet vom Typ Lockheed SR-71 „Blackbird“ und dahinter das Spaceshuttle „Enterprise“ Bild: Smithsonian NASM Hazy

Ob Raketenwaffe, Shuttle oder Bomber: Das meistbesuchte Museum der Welt feiert die zivile und militärische Eroberung der Lüfte. Ein Besuch im National Air and Space Museum.

          Ist das echt? Die Frage scheint Peter Jakab oft zu hören, aber er beantwortet sie immer noch mit sichtlichem Vergnügen: „Aber klar.“ Das kleine Flugzeug mit dem Schriftzug „Spirit of St. Louis“ sei tatsächlich genau das, mit dem Charles Lindbergh am 20. Mai 1927 den Atlantik überquerte. Genauso wie der mannshohe Konus mit der verkohlten Unterseite die Raumkapsel ist, in der Armstrong, Aldrin und Collins 1969 zum Mond und wieder zurück flogen. Auch der Lilienthal-Gleiter, das Flugzeug aus der Werkstatt der Gebrüder Wright, die sowjetische SS-20-Rakete. „Bis auf den Sputnik sind alle unsere Objekte Originale.“

          Ulf von Rauchhaupt

          Verantwortlich für das Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das gilt selbst für die Landesonde „Viking“, vor die der Vizedirektor des Smithsonian National Air and Space Museums den Besucher nun führt. Gut, es ist nicht dasselbe Gerät, das 1977 die ersten Bilder von der Marsoberfläche machte. Das steht natürlich immer noch auf dem Roten Planeten. „Die Raumsonden hier sind alles Test- oder Ingenieursmodelle aus den jeweiligen Programmen“, sagt Jakab. „Aber die beiden Viking-Lander auf dem Mars gehören uns auch. Wir dürften sie uns jederzeit holen. Die Nasa hat sie uns übertragen.“

          Die erste Adresse für altes Nasa-Gerät

          Mit der amerikanischen Weltraumbehörde hat Jakabs Haus, das mit 8,5 Millionen Besuchern im Jahr inzwischen dem Louvre den Rang des meistbesuchten Museums der Welt abgelaufen hat, eine besondere Beziehung. Es ist allerdings nicht die einzige. Die Luftfahrtindustrie und die U.S. Air Force sind ebenfalls Partner, schließlich wurde das Haus 1946 als „National Air Museum“ gegründet und trägt das „Space“ erst seit 1967 im Namen. Damals entwuchs die Raumfahrt gerade ihrer Frühphase, und das allgemeine Interesse an ihrer Technik stieg ebenso wie die Zahl der Artefakte, die nun historisch wurden.

          Weltraumpionier: Die „V2“ mit nachträglich aufgetragener Testbemalung

          Wann immer die Nasa seither etwas außer Dienst stellt, wird es zuerst der Smithsonian Institution angeboten. Die halbstaatliche Stiftung betreibt insgesamt 19 Museen, neun davon stehen in der amerikanischen Hauptstadt entlang der National Mall, des Grünstreifens zwischen Capitol und Washington Monument. Das Air and Space Museum bekam hier 1976 einen großzügigen Neubau, nicht zuletzt, um die Hinterlassenschaften des „Apollo“-Programms aufzunehmen.

          Im Jahr 2011 ist mit der Außerdienststellung der Space Shuttle für die Nasa abermals eine Epoche zu Ende gegangen, deren materielle Zeugen öffentlich zugänglich gemacht werden sollen. „Das geht jetzt aber etwas geordneter zu als nach dem Ende von Apollo“, sagt Jakab. „Damals fuhr die Nasa einfach mit ein paar Lastwagen vor, nach dem Motto ,Da habt ihr den Krempel’.“ 2003 eröffnete das Museum eine Zweigstelle am Dulles Airport westlich der Stadt, das Udvar-Hazy-Center, benannt nach einem Unternehmer, welcher der Smithsonian die größte Einzelspende ihrer Geschichte hatte zukommen lassen. Dort soll im Frühjahr 2012 die „Discovery“ ihren letzten Dienst antreten. Der jetzt dort ausgestellte Shuttle-Prototyp „Enterprise“ muss in ein New Yorker Museum umziehen. „Damit haben wir dann das dienstälteste verbliebene Shuttle, das 39 Mal im Weltraum war“, freut sich die Kuratorin Valery Neal. „Wir können dann die Geschichte natürlich ganz anders erzählen als mit der Enterprise.“

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