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Flughafen Berlin: Kein Start in Sicht : Das große Berliner Flughafendesaster

Ratlos in Brandenburg: Da steht er nun, der Flughafen, der eher wie ein Einkaufszentrum aussieht, an das man ein paar Flugsteige gebaut hat. Los geht es noch lange nicht - frühestens 2013 kann man hier starten. Bild: dapd

Jetzt ist es raus: Der neue Berliner Flughafen soll frühestens 2013 in Betrieb genommen werden - aber es gibt noch ein paar andere, größere Probleme. Eine Polemik gegen das Flughafenunwesen.

          6 Min.

          In Berlin ist man sehr erbost über Manfred Körtgen, den Chefplaner des neuen Großflughafens BER, der nun doch nicht am 3. Juni eröffnet werden kann und auch nicht im Herbst, sondern frühestens im Frühjahr 2013, was aber auch keineswegs ganz sicher ist. Der Bürgermeister ist ungeheuer beleidigt und tut so, als ob es eine absolute Ausnahme sei, dass in Berlin etwas nicht klappt, die Presse glaubt, dass all das nur daran liege, dass Herr Körtgen nebenher noch eine Doktorarbeit verfasst hat zu der im Gesamtkontext des Desasters tatsächlich lustigen Frage, wie man komplexe Baumaßnahmen „schneller und kostengünstiger abwickelt“, was sicherlich nicht bedeutet, dass man die Brandschutzmaßnahmen weglässt.

          Eine lange Tradition der Verzögerung

          Niklas Maak

          Redakteur im Feuilleton.

          Man könnte aber das ganze Theater um die Verzögerung der Eröffnung auch etwas entspannter sehen. Gerade deutsche Städte haben eine jahrtausendealte Tradition epochaler Bauverzögerungen, da steht Berlin nicht allein. In Köln hatte man 1265 aus ähnlichen Gründen wie jetzt in Berlin, weil nämlich das alte Terminal für den Besucheransturm zu klein wurde, beschlossen, einen neuen Dom zu bauen, und als Albertus Magnus nach heftigen Bauverzögerungen im Jahr 1277 den Altar der Kölner Domsakristei weihte, wird er auch nicht gedacht haben, dass es von da an noch einmal 603 Jahre dauern würde, bis der Bau drum herum vollständig fertig wäre. Seit zwei Jahrzehnten heißt es, das Berliner Stadtschloss „komme“, schon ganz bald, und Millionen von Berlinern unter 18 Jahren freuten sich ganz unbändig auf das Stadtschloss, und die Freunde des Stadtschlosses wirken mittlerweile wie der verbitterte Mann im Restaurant, der den Kellnern vor vier Stunden erzählt hat, es komme noch jemand dazu.

          Beunruhigend war eher das, was Körtgen am Rande des großen Theaters um den halbfertigen Großflughafen zu Protokoll gab, dass nämlich der Flughafen eröffnet werde und auch „physisch existent“ sei. Was heißt das? Dass man ernsthafte Befürchtungen hatte, der neue Großflughafen könne bloß eine Fiktion sein, und jetzt große Erleichterung darüber herrscht, dass auf den schlammigen Brachen Brandenburgs auf geisterhafte Weise tatsächlich etwas entstanden war, was in seinen Grundkonturen einem realen Flughafen verblüffend ähnlich sah? Es gibt auch Leute, die vermuten, die Mondlandung habe gar nicht auf dem Mond stattgefunden, sondern sei mit Statisten der CIA in der Wüste von Nevada gedreht worden, um den Russen den Sommer 1969 zu vermasseln, aber diese Leute sind in der Regel Spinner. Wenn dagegen der technische Leiter eines Großflughafenprojekts die physische Existenz seines eigenen Projekts betonen muss, dann muss man sich vielleicht doch Sorgen machen.

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