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Flüchtlingsdebatte : Being Til Schweiger

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Das hält man hierzulande für eine Schwäche, und wenn jemand, wie Schweiger, auch noch eine eher straßennahe Sprache pflegt (Alter, Dicker, Respekt, Verpiss dich) wird das insgesamt als so etwas wie eine soziale Behinderung angesehen, als unverzeihlicher Kontrollverlust, mit dem sich der Benutzer solcher Ausdrücke selbst ins Unrecht setzt. Da zählt dann auch Inhalt nicht mehr – und auch nicht wer da wofür beschimpft wird, weil die Formalien halt nicht eingehalten wurden, nein, da kann leider keine Ausnahme gemacht werden, da könnte ja jeder kommen, das hier ist Deutschland, baby.

Kein Sommermärchen mehr

Wer Menschen mag, sollte sich wirklich mal auf Til Schweigers Facebook-Seite umsehen. Er wird schnell zu einer anderen Meinung kommen. Gibt es Pegida eigentlich noch? Wenn ja, dann toben die sich dort aus. Da zeigt das sympathische Land des Sommermärchens dann wieder das Gesicht, das es hat, wenn gerade keine internationalen Kameras auf es gerichtet sind.

Aus zu großer Unlust zitiere ich keinen der Hass-Kommentare, dafür aus Spaßgründen das lustigste, was ich gefunden habe. Tut eigentlich nichts zur Sache, denn es hat nichts mit dem Schweiger-Flüchtlings-Facebook-Drama zu tun, ist aber doch bezeichnend, weil es zeigt, was für einen Umgangston sich Schweiger von seinen Followern gefallen lassen muss. Es wird geduzt, ist ja okay, aber unangenehm von oben herab. Also. Am 21. Juli postete Schweiger, der gerade in Istanbul gedreht hatte: „Bye bye Istanbul! It was sooo nice here and I met so many beautiful people“.

Daraufhin Rainer Durek aus Düsseldorf, oder jemand, der sich so nennt (kein einziger Facebook-Freund, Reichstag mit wehender Deutschlandflagge als Profilbild: „,I met so many...‘, also Tilli-Mausi, da müssen wir aber noch ein bisschen üben. Met ist ein Honigwein. Was du meinst, wird mit Doppel ,e‘ geschrieben. Also ,I meet so many...‘ Naja, wird schon.“ Gibt es den Ausdruck Dummscheißer?

Vergangenheit, Schaluppe!

Und man muss sagen, dass Schweiger, auch wenn ihm gelegentlich der Kragen platzt, im Grunde ein sehr geduldiger, gutmütiger Mensch ist. Auf „Rainer Durek“ etwa reagierte er so: „Met ist Vergangenheit, Schaluppe.“ Dazu ein Smilie-Emoticon, das er ohnehin sehr oft einsetzt. Er ist eben Schauspieler. Die wollen gemocht werden.

Schweiger reagiert oft auf die Kommentare. Das ist ungewöhnlich für einen Prominenten, der auf Facebook ist, und noch ungewöhnlicher ist es, dass er eben auch auf negative Kommentare reagiert. Ich habe mich gefragt, warum er sich so klein macht. Denn das tut er, indem er durch sein Reagieren diejenigen, die bei ihm posten, größer macht. Aber das ist natürlich immer die Frage - soll man mit Idioten reden oder nicht? Und an der anstrengenderen Haltung, es unbedingt zu tun (den Dialog mit Neonazis suchen o.ä.), ist bestimmt auch etwas dran.

Allerdings bietet Til Schweiger damit auf seiner Seite Menschen eine Riesen-Plattform, die normalerweise auf ihren eigenen Facebook-Seiten vielleicht drei müde Likes für einen griechenlandfeindlichen Post bekommen. Auf Schweigers Seite schaffen sie es mit dumpfen Parolen gut und gerne mal auf über zweitausend Likes.

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