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Flüchtlingsdebatte : Being Til Schweiger

  • -Aktualisiert am

Damit aber passt sie absolut in Schweigers Biographie, die sich ebenfalls als Geschichte voller Missverständnisse erzählen lassen kann. Und oft genug scheint es so, als ob er selbst sie sich als solche erzählt.

Wie oft ist er nicht zum Filmpreis gekommen, weil er beleidigt war, nie einen Preis zu bekommen. (Dieses Jahr hatte der Filmpreis endlich ein Einsehen und hat sich bei ihm mit dem neu erfundenen und total absurden, weil ja über Einspielergebnisse hinaus gar nichts aussagenden Preis für den erfolgreichsten Film sozusagen entschuldigt. Sie könnten ihn eh gleich den „Til Schweiger“-Preis nennen.)

Wie oft hat er sich bitter beklagt, vom Feuilleton, beziehungsweise von der „Qualitätspresse“, wie er in sauer-ironischen Anführungsstrichen sagt, nicht ernst genommen zu werden (inzwischen scheint er am meisten „Spiegel online“ zu hassen, dann die „Zeit“).

Komödien für die ganze Familie

Und irgendwie kann man ihn ja auch verstehen. Er macht Komödien für die ganze Familie, und auch wenn es zum Teil Familien sein mögen, bei denen man ganz froh ist, sie nicht näher zu kennen, sind diese Filme doch, man könnte sagen, fürs Herz und das Gegenteil von grundverkehrt. Millionen Deutsche oder Menschen, die mit anderen Pässen in Deutschland leben und hier ins Kino gehen, lieben diese Filme. Millionen sich in Deutschland aufhaltende Menschen gaben und geben regelmäßig an die zwanzig Euro pro Person dafür aus (jetzt mal Popcorn, Cola und Fahrscheine mit eingerechnet), Til Schweiger dabei zuzusehen, wie er in verschiedenen Settings und Plots immer wieder zielsicher auf ein Happy End zusteuert. Verstärkt spielen Kinder in seinen Filmen große Rollen, und da es meistens Schweigers eigene Kinder sind, findet sich in seinem Wikipedia-Eintrag die schöne Passage, Valentin (*1995), Luna (*1997), Lilli (*1998) und Emma (*2002) seien „ebenfalls Schauspieler“.

Aber – was von einem Millionenpublikum geliebt wird, muss, wie Schweiger ebenso so gut weiß wie Helene Fischer, Bushido, Pur oder Mario Barth, nicht auch vom Feuilleton geliebt werden; hierzulande hat man sogar oft das Gefühl, es schließt einander aus.

So sieht es aus auf Til Schweigers Facebook-Seite

Da gibt es also eine Diskrepanz, die bei Til Schweiger bereits zu einigem Verdruss geführt zu haben scheint. Man könnte ja denken, was soll’s, ist doch egal mit den Kritiken, es zählt ja wohl mehr, dass es offenbar so vielen Menschen gefällt – aber man hat mehr und mehr den Eindruck, dass er sich missverstanden fühlt, nicht richtig gesehen, wertgeschätzt, behandelt.

Dass sein eigentlicher Adressat, dessen Liebe und Anerkennung er sich erhofft, ihm diese grausam verweigert. Er hat es sich schon seit längerem ein bisschen in der Pose des Beleidigtseins ungemütlich gemacht, was die Sache allerdings eher noch verschlimmert, da offen zur Schau getragene Empfindlichkeit etwas ist, das schwache, unzufriedene, (also sehr viele) Menschen reizt wie frisches Blut Haie.

Hinzu kommt, dass Schweiger vom Temperament her eher aufbrausend ist.

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