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Verleihung Friedensnobelpreis : Maria Ressa flieht vor niemandem

Friedensnobelpreisträgerin Maria Ressa Bild: Reuters

Die unerschrockene Journalistin Maria Ressa erhält den Friedensnobelpreis. Die Philippinen wollen sie nicht ausreisen lassen. Warum, das kann man sich denken.

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          Es wäre zu schön gewesen, würde das philippinische Regime der Journalistin Maria Ressa die Gelegenheit geben, den Friedensnobelpreis bei der Verleihung am 10. Dezember in Oslo persönlich entgegenzunehmen.

          Sie erhält ihn für die unerschrockene, lebensgefährliche Aufklärungsarbeit, die sie seit Jahren mit ihrer Onlineplattform Rappler zu den Machenschaften des Präsidenten Rodrigo Duterte betreibt. Das Zeichen, das die Jury mit der Preisvergabe setzt, wirkt weltweit für die Pressefreiheit und trifft Duterte ins Mark. Maria Ressa und ihre Rechercheure bringen ans Licht, dass Duterte bei seinem proklamierten Kampf gegen Drogenkriminalität alle Mittel recht sind.

          So nimmt es nicht wunder, dass die Regierung der Journalistin, der unzählige Gerichtsverfahren an den Hals gehängt worden sind, die Ausreise verweigert. Der formale Grund, den Anwälte der philippinischen Regierung nennen, könnte absurder nicht sein: Es bestehe „Fluchtgefahr“, heißt es in Prozessunterlagen, aus denen die Agentur AFP zitiert.

          Maria Ressa steht zurzeit wegen vermeintlicher „Verleumdung“ unter Anklage. Sie befindet sich gegen Kaution auf freiem Fuß und ist auf Vortragsreise in den USA. Die Regierung erkenne zwar an, dass der Friedensnobelpreis eine „angesehene“ Auszeichnung sei, sagte Maria Ressas Anwältin Amal Clooney, doch stelle dies angeblich keinen „zwingenden“ Grund für eine Ausreiseerlaubnis dar. „Ihre wiederholte Kritik an philippinischen Gerichtsverfahren (...) offenbart ihren mangelnden Respekt für das Justizsystem, folglich besteht für sie ein Fluchtrisiko“, meint der Rechtsanwalt der Regierung. Was für eine Logik: Wer kritisiert, zeigt keinen Respekt, den halten wir fest. Ein Besuch in den Vereinigten Staaten – ja, die Reise nach Oslo – nein.

          Dahinter steht selbstverständlich nichts anderes, als die Geehrte am Reden hindern zu wollen. Wir befinden uns in einer Situation, sagte Maria Ressa in der Washington Post, nicht nur mit Blick auf die Philippinen, die zu Faschismus und Tyrannei führen könne. Doch sei die Demokratie nicht verloren. Am 10. Dezember will die Welt dazu in Oslo mehr von ihr hören.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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