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Dostojewskis 200. Geburtstag : Verhöhnung der Kindheitsträume

  • -Aktualisiert am

Fjodor Michailowitsch Dostojewski (1821 bis 1881) auf einer Porträtaufnahme von Konstantin Schapiro Bild: picture-alliance / akg-images

Fjodor Dostojewski, der schwerverdauliche Klassiker, ist zum zweihundertsten Geburtstag in Russland als Ikone, als Musical- und Theaterautor allgegenwärtig.

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          An seinem zweihundertsten Geburtstag ist Fjodor Michailowitsch Dostojewski in seiner Geburtsstadt Moskau quick­lebendig: als Herausforderung für Schriftsteller, als Theaterautor für einen Kultregisseur wie Konstantin Bogomolow und für die Jugend gleichermaßen. Russlands lebender Klassiker Vladimir Sorokin erklärte erst vor wenigen Tagen angehenden Literaten an der Moskauer Wirtschaftshochschule, warum er von Dostojewski nicht loskomme. Der Romancier, der Leidenschaften wie kein anderer Russe geschildert habe, so Sorokin, sei zugleich in Stilfragen irritierend gleichgültig gewesen; das anthropologisch Neue – Sorokin spricht von Dostojewskis „abgefahrener“ (krutaja) Metaphysik – sei mit solcher Energie aus ihm hervorgesprudelt, dass er Texte oft in Druck gab, ohne sie noch einmal zu lesen. Er, Sorokin, könne diese Prosa nur portionsweise goutieren.

          Kerstin Holm
          Redakteurin im Feuilleton.

          Dostojewskis unerhörte Einsichten in menschliche Abgründe verliehen ihm jedoch geheime Krallen, die immer wieder an seinem Herzen kratzten und es verletzten, bekennt Sorokin. Deswegen hat der Schriftsteller, der zunächst bildender Künstler war, in den vergangenen Jahren eine Folge von vierzig Dostojewski-Bildnissen geschaffen. Das Gemälde mit dem Titel „Marfuscha (Nr. 8)“ etwa zeigt den großen Entblößer selbst entblößt, eine anonyme weiße Kindfrau an sich drückend.

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